Flinn Works' Theaterperformance "Schädel X", (Bild: Shaizia Jifri)
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Flinn Works' Theaterperformance "Schädel X", (Bild: Shaizia Jifri)
Bild: Shaizia Jifri
Event (abgeschlossen)
Flinn Works: "Schädel X"

15.06.2017 - 20:30 Uhr bis
17.06.2017 - 22:30 Uhr
Ort
Tieranatomisches Theater
Philippstr. 12/13, Campus Nord, Haus 3, 10115 B...

15. Juni, 20: 30 Uhr Theaterperformance (engl. Fassung)

16. Juni, 20:30 Uhr Theaterperformance und Diskussion (dt. Fassung)

17. Juni, 20:30 Uhr Theaterperformance (dt. Fassung)

In den Kellern deutscher Universitäten und Museen lagern tausende Schädel aus aller Welt, oft aus den ehemaligen Kolonien. Zum überwiegenden Teil entstammen diese Schädel einem Unrechtskontext, sie wurden ausgegraben oder von den Leichen hingerichteter „Aufständischer“ abgetrennt und als Trophäe nach Deutschland verschickt. In anthropologischen Instituten betrieben Wissenschaftler Forschung an diesen Schädeln zur Untermauerung der Rassenlehre. Berlin wurde mit Rudolf Virchow und Felix von Luschan zum Zentrum der Schädelsammler.

100 Jahre später mehren sich Forderungen nach einer würdevollen Behandlung und Restitution dieser Schädel an die Nachfahren. Zögerlich beginnen Universitäten und Museen mit der Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels ihrer Geschichte. Die erste offizielle Rückgabe von Herero- und Nama-Schädeln an Namibia entwickelt sich zum diplomatischen Desaster. Die Provenienzforschung gestaltet sich schwierig. In den wenigsten Fällen können die Schädel einem Individuum zugeordnet werden. Und es stellt sich die Frage, ob bei einer wissenschaftlichen Untersuchung zur Herkunft der menschlichen Überreste diese nicht erneut entwürdigt werden.

Ein Schädel bildet das Zentrum der Lecture Performance. Zwei biografische Geschichten kreisen um ihn. Sie führen von Tansania und Deutschland über Archive, Konsulate, Schlachtfelder und Labore durch die deutsche Kolonialgeschichte ins Innerste des eigenen Schädels. Mit (medizin-)historischen Dokumenten und O-Tönen verbinden sie sich zu einer skurrilen Irrfahrt zwischen Wissenschaft, Politik und Theater.

Das Tieranatomische Theater – Labor für forschende Ausstellungspraxis – lädt an drei Abenden zur Theaterperformance Schädel X ein und richtet gemeinsam mit dem Flinntheater und den Sophiensælen eine Diskussion aus, die sich an die Aufführung am 16. Juni anschließt. Wissenschaftlerinnen der Humboldt-Universität diskutieren mit Aktivist_innen und dem Ensemble von Flinn Works über Möglichkeiten, postkoloniale Themen zum Gegenstand zeitgenössischer Performance zu machen. Welche Macht hat das Theater? Wer spricht hier wie und über wen? Bedeuten diese Formen des Ein- und Ausschlusses auch immer gleich Zensur?

Die Diskussion ist gleichzeitig Teil der Veranstaltungsreihe „Say anything? Politiken des Sprechens (in Kunst und Kultur) #3“ der Sophiensæle.

Mitwirkende

Konzept, Recherche & Performance: Konradin Kunze / Regie: Sophia Stepf / Sound Design: Andi Otto / Video Desgin: Jürgen Salzmann / Technik: Marcello Lussana / Produktionsleitung: Ehrliche Arbeit - freies Kulturbüro / Interviews mit: Christina Helbig, Mnyaka Sururu Mboro, Isaria Anael Meli, Upendo Moshi & Gerhard Ziegenfuss

Tickets

12 €, ermäßigt 8 € (zzgl. VVK-Gebühr) via Performing Arts Festival Berlin / Tickets.de


Im Rahmen des Performing Arts Festivals Berlin

Eine Produktion von Flinn Works / Flinntheater in Koproduktion mit Sophiensæle Berlin

Gefördert aus Mitteln des Regierenden Bürgermeisters von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten, des Fonds Darstellende Künste e. V. und des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst sowie des Kulturamts der Stadt Kassel

Sophiensæle Berlin als Mitveranstalter der Diskussion innerhalb der Veranstaltungsreihe „Say anything? Politiken des Sprechens (in Kunst und Kultur) #3“

Performing Arts Festival Berlin