Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik

Zentralinstitut der Humboldt-Universität zu Berlin

Gebäudehistorie

Das auf den Plänen des Campus Nord der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) als Haus 3 aufgeführte Gebäude besteht aus insgesamt drei Gebäudeteilen unterschiedlicher Entstehungszeit: dem Tieranatomischen Theater, dem Gerlach- und dem Wolffbau.

Bau- und Nutzungsgeschichte

Tieranatomisches Theater

Das Tieranatomische Theater, im Volksmund auch „Trichinentempel“ genannt, wurde auf Geheiß von König Friedrich Wilhelm II 1789/90 von Carl Gotthard Langhans errichtet. Es ist das älteste erhaltene akademische Lehrgebäude Berlins und beherbergte die erste Tierarzneischule Preußens. Das Haus ist einer italienische Renaissancevilla in Vicenza und einem Anatomischen Theater in Padua nachempfunden. Im ersten Obergeschoss beherbergte es den Hörsaal, die Bibliothek, das Instrumentenkabinett, die Hufeisensammlung (angelegt von J. G. Neumann, dem ersten Professor der Tierarzneikunde und des Beschlags und der Krankheiten von Pferden) und die Galerie der Präparate und Skelette. Im Souterrain befanden sich die Räume der praktischen Anatomie, die anatomische Küche und die Präparationsräume. Der anatomische Unterricht und die Operationsübungen erfolgten in den Räumen im 1. OG, während die Vorbereitung der (Pferde-)Kadaver in Räumen im Souterrain erfolgte. Hier befanden sich auch vier beheizbare Säle für Präparationsübungen mit insgesamt 60 Arbeitsplätzen. Für die Demonstrationen wurden die vorbereiteten Kadaver mittels eines Hubtisches in das darüberlegende „Anatomische Theater“ befördert.
Ab 1840 fanden mehrere Umbauten im Gebäude statt, mit dem Ziel mehr Raum für die Forschung zu gewinnen: die westliche Treppenanlage wurde zur Gewinnung eines Raumes entfernt und im Souterrain errichtete man geschlossene seitliche Räume. Als Aufgang zum Obergeschoss wurde eine schmale Holztreppe in den südöstlichen Gewölberaum eingefügt. Zeitgleich wurde der Neubau des Hauptgebäudes der Tierarzneischule in der Luisenstraße 56 durch den Architekt Ludwig Ferdinand Hesse errichtet. Ab 1934 beherbergte das 1. OG neben dem Hörsaal, die Zimmer für die Institutsdirektion, die Laboratorien, die Sammlung und die Bibliothek. Im Souterrain war die Wohnung für den Institutsgehilfen, ein milchwirtschaftliches Labor, Technikräume und Räume für Versuchstiere untergebracht.

In mehreren Jahren seit 2005 wurden die Fassaden und das Dach des Tieranatomischen Theaters instandgesetzt. Von 2009 bis 2012 konnte dann die Grundinstandsetzung des Gebäudeinneren folgen. Seither wird das Gebäude als Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude durch das Zentralinstitut Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik (HZK) betrieben.

Gerlachbau

1870 wurde Andreas Christian Gerlach (1811-1877) zum wissenschaftlichen und administrativen Direktor der Tierarzneischule berufen. Auf sein Drängen hin wird das „Anatomische Theater“ um einen Anbau erweitert, der mittels einer Brücke mit diesem verbunden ist. Der Entwurf des Anbaus von 1873 stammt von Julius Emmerich (1834-1917). Der Anbau war als Obduktionsgebäude konzipiert und nahm zusätzlich im 1. Obergeschoss die Tierpräparatesammlung auf. 1889/90 wurden die Sammlungsräume zum Experimentierhörsaal umgebaut. 1934-36 wurde der Hörsaal zum Kurssaal umgestaltet.

Wolffbau

Der Architekt Walter Wolff ergänzte 1935 den Gerlachbau um einen Kopfbau an der Westseite. Initiator dieses Anbaus war Martin Lerche (1892-1980), der Ordinarius des Instituts für Nahrungsmittelkunde, das fortan seinen Sitz im Gebäude hatte. Der Anbau beherbergte eine Schlachtehalle für Demonstrationen auf dem Gebiet der Fleischbeschau und -untersuchung.
Im zweiten Weltkrieg wurde der gesamte Gebäudekomplex beschädigt, blieb aber erhalten. Er diente nach Kriegsende als Ausbildungsstätte für Tierärzte und war vorübergehender Sitz der Lebensmittelhygieniker, Hygieniker sowie der Tierseuchentherapie.
1992 entschied der Berliner Senat aufgrund des Fusionsgesetzes die Zuordnung der Veterinärmedizin zur Freien Universität Berlin. Das Institut für Fleischhygiene und –technologie nutzt nun den Kurssaal, den Raum der historischen Bibliothek und die Labore im Souterrain.

Die Sanierung des Gebäudeensembles war möglich dank der Unterstützung zahlreicher Partner, darunter die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Treuhandstiftung-Stiftung Anatomisches Theater, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, die Hermann Reemtsma Stiftung und die Stiftung Humboldt-Universität.

Seit 2019 hat das HZK im Gerlach- und Wolffbau seinen Standort.

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