Archiv der Kategorie: Vernissage

Wiedereröffnung: OLIVER THIE. Die Wahrheit über den Ursprung der Welt

Tieranatomisches Theater der Humboldt-Universität zu Berlin
Campus Nord, Philippstraße 13, Haus 3
Eröffnung 01.10.2020, 17:00 Uhr bis 22:00 Uhr

Sonderausstellung

2. Oktober – 30. Dezember 2020 (jeden Di. – Sa., 14 bis 18 Uhr)

Der Berliner Künstler Oliver Thie konserviert die Schatten von Gesteinen und lässt ihre lange Geschichte gegenwärtig werden.
Seit über zweihundert Jahren lagert im Berliner Museum für Naturkunde eine Sammlung von unscheinbaren grauen Basaltbrocken. Sie sind Zeugnisse einer im 18. Jahrhundert hitzig geführten Kontroverse über die Entstehung der Erde, dem sog. Basaltstreit. Oliver Thie hat sie im interdisziplinären Dialog mit Wissenschaftler_innen der Humboldt-Universität und des Museums für Naturkunde künstlerisch erforscht.

Indem Oliver Thie Aufzeichnungstechniken historischer Messinstrumente mit Schattenprojektionen verknüpfte, entwickelte er eine ganz eigene bildnerische Methode zur Fixierung von Schattenbildern. In einer Art „zeichnender Ausgrabung“, so Thie, werden die Schatten der Steine aus mit Ruß bedecktem Papier herausgearbeitet. Wie schwarze Häute schweben die konservierten Silhouetten nun vor der Wand und lassen sich bei vollem Licht betrachten. Aus den Schatten tritt eine Individualität hervor, die sonst in den unscheinbaren Steinen verborgen bleibt.

Begleitend zur Ausstellung finden im historischen Hörsaal des Tieranatomischen Theaters* – und gestreamt über Zoom – zwei Vorträge von Claudia Blümle (14.10.) und Angela Strauß (neuer Termin wird zeitnah angekündigt) statt. Informationen und Anmeldung über
https://tieranatomisches-theater.de/oliver-thie-oeffnungszeiten-und-termine/

Kurator: Felix Sattler

Ausstellungseröffnung: Tiere (be)handeln

Tieranatomisches Theater der Humboldt-Universität zu Berlin
Campus Nord, Philippstraße 13, Haus 3
Eröffnung 06.02.2020, 18:00 Uhr bis 22:00 Uhr
 

Sonderausstellung

7. Februar bis 30. Dezember 2020 (jeden Di. – Sa., 14 bis 18 Uhr)

30 Jahre nach dem Mauerfall steigt das Interesse an einem differenzierten Blick auf die Wissenschaft der DDR. Forschungsvorhaben waren von politischen oder geostrategischen Interessen getragen, lieferten jedoch darüber hinaus wichtige Erkenntnisse und markierten den Beginn bis heute andauernder Kooperationen. Im Mittelpunkt der Ausstellung Tiere (be)handeln stehen der Austausch von wissenschaftlichen Erkenntnissen, der Technologietransfer und die Handelsbeziehungen zwischen der Mongolischen Volksrepublik (MVR) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) zwischen dem Ende der 1960er und den 1980er Jahren. Zu den bilateralen Wirtschaftsabkommen zählte einerseits die veterinärmedizinische (parasitologische) Behandlung von Schafkrankheiten, andererseits der Aufbau der leder- und textilverarbeitenden Industrie in der Mongolei. So bildete die DDR den wichtigsten Handelspartner der Mongolei in Europa und bezog Leder- und Wollprodukte hauptsächlich aus der Mongolischen Volksrepublik. Die enge Kooperation zwischen den deutschen Wissenschaftlern und den einheimischen Tierärzten bei der anwendungsbezogenen Forschung an Nutztierkrankheiten hat sich institutionell etabliert. Bis heute bestehen Kooperationen zwischen der Freien Universität Berlin (FU) und der Mongolian University of Life Sciences, der Mongolian State University of Agriculture und dem Institute of Veterinary Medicine in Ulaanbaatar. 

Die Ausstellung spannt den Bogen von der Veterinärmedizin über Technikgeschichte bis hin zu Industrie- und Wirtschaftsgeschehen. Exponate aus den Bereichen der Tiermedizin, der Biologie und der Veterinärtechnik werden zusammen mit mongolischen Industrieprodukten wie Teppichen und Bekleidung aus den 1970er und 1980er Jahren ausgestellt und verweisen auf die enge wissenschaftliche und wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Anlass der Ausstellung ist der 90. Geburtstag von Prof. Dr. Theodor Hiepe, der als Wissenschaftler maßgeblichen Anteil an der Erforschung und Entwicklung von Behandlungsmethoden von Schafkrankheiten hatte. 1960 wurde er zum Professor auf den Lehrstuhl für Parasitologie berufen und zum Direktor des Instituts für Parasitologie und Vet. med. Zoologie der Veterinärmedizinischen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin (HU) ernannt. Von 1993 bis zu seiner Emeritierung 1995 war er Professor für Parasitologie an der Freien Universität Berlin. Prof. Dr. Hiepe war Initiator, Förderer und Leiter des Programms zur Ektoparasitenbekämpfung. Unter seiner Leitung wurde 1970 das Forschungslabor für Ektoparasitenbekämpfung in der Mongolei eingerichtet.

Kuratiert wurde die Ausstellung von Katharina Otto und Felix Sattler. Wissenschaftlicher Beirat: Prof. Dr. Theodor Hiepe (Prof. em., HU), Prof. Dr. med. vet. Peter-Henning Clausen (FU), Prof. Dr. Kai Matuschewski (HU), Dr. Adnan Al Halbouni (FU). Mit großzügiger Unterstützung durch die Botschaft der Mongolei in Deutschland.

Eröffnung des Sammlungsschaufensters der Humboldt-Universität zu Berlin

Tieranatomisches Theater der Humboldt-Universität zu Berlin
Campus Nord, Philippstraße 13 , Haus 3
21.10.2019, 19-22 Uhr

Flechtwerk der Dinge

Das Sammlungsschaufenster der Humboldt-Universität zu Berlin

Neue Dauerausstellung im Tieranatomischen Theater

Am 21. Oktober 2019 öffnet die Humboldt-Universität zu Berlin ihre Sammlungen für ein neues interaktives Besuchserlebnis. Das Flechtwerk der Dinge – Sammlungsschaufenster im Tieranatomischen Theater lädt zur Erkundung der Vielfalt der Dinge, unbekannter Zusammenhänge und kritischer Positionen in der Sammlungspraxis ein. Eine App bietet Besucher_innen ein individualisiertes Erlebnis, bei dem die Dinge in immer wieder neuen Konstellationen aktiviert werden.
Ausgehend von den Themenfeldern »Gebrauch«, »Herkunft«, »Vielfalt« und »Lokalität« lassen sich weitere Verknüpfungen aktivieren. Besucher_innen jeden Alters können sich mittels der App spielerisch durch das ‚Flechtwerk der Dinge‘ begeben, sich mit Texten, Bildern und Filmen gezielt über einzelne Objekte informieren oder in virtuellen Touren Zusammenhängen nachspüren. Was verbindet die Fotografie der Marienkirche in Prenzlau mit einer Gesteinsprobe eiszeitlichen Geschiebes? Gibt es ein gemeinsames Werkzeug zum Verständnis eines kristallographischen Modells und Tonscherben aus einem kuschitischen Sakralort im Sudan? Und was hat ein Lavastein mit dem Dschihad zu tun?
Die virtuellen Touren zu Sammlungspraktiken (»Üben«, »vergleichendes Sehen«), zeithistorischen Einordnungen (»gesammelt in der DDR«,) genderspezifischen Fragestellungen (»Sammeln ist Frauensache«) und Objektgattungen (»Modelle«) bilden Brücken zwischen wissenschaftlichen Disziplinen, die auch neue Perspektiven auf hochaktuelle gesellschaftliche Themen wie z. B. Migration einschließen.

Die historischen Bibliotheksschränke von 1790 bilden eine faszinierende Rahmung für eine Ausstellungsgestaltung, die ohne sichtbare Texte auskommt und den Blick auf die Objekte schult. Die einzigartige Architektur dieser »Wunderkammer des 21. Jahrhunderts« beinhaltet eine für jedes Exponat individuell steuerbare Beleuchtung, die die von den Besucher_innen per App begangene Tour durch die Ausstellung in Echtzeit sichtbar macht.

Zum Auftakt präsentiert das Sammlungsschaufenster 80 Objekte aus 24 Sammlungen der HU und von mit der Universität verbundenen Partnerinstitutionen. Die Objekte stammen unter anderem aus dem Historischen Kabinett des Instituts für Psychologie, der Sammlung am Centrum für Anatomie, der Sudanarchäologischen Sammlung, der Kunstsammlung, dem Lautarchiv und dem Medienarchäologischen Fundus. Vertraute Objekte und berühmte Personen tauchen ebenso auf wie weniger Bekanntes und Überraschendes.
Heiner Müllers Forschungsbibliothek enthält nicht etwa nur große Literatur, sondern auch sein persönliches Exemplar des Krimis Grünes Eis von Raoul Whitfield. Er ist ein aufschlussreiches Dokument, da Heiner Müller darin seine Gedanken zum Lesen auf Reisen notierte.
In universitären Sammlungen ist nicht nur die Bewahrung von Dingen wichtig, sondern vor allem ihre Benutzung. Aus dem Medienarchäologischen Fundus zeigt das Sammlungsschaufenster einen »Commodore 64«, der als erster leistungsstarker und erschwinglicher Heimcomputer 1982 auf den Markt kam und heute Kultstatus besitzt. Anstatt ihn als Ganzes zu erhalten, ist er in seine Einzelteile zerlegt worden. Verstehen durch Dekonstruieren ist eine zentrale Methode in der Lehre, die manchmal unwiederbringlich sein kann – zu erkunden in der Tour »Verlust gehört zum Geschäft«.

Das Thema »Migration« findet sich in vielen Sammlungen in ganz unterschiedlichen Maßstäben wieder – erdgeschichtlich, regional oder global. Eiszeitliche Gletscher haben Gestein aus Skandinavien nach Brandenburg transportiert. Brandenburger Kinderspiele dokumentieren regionale Migration und Verstädterung im frühen 20. Jahrhundert. Die erste Moschee Deutschlands ist während des Ersten Weltkriegs in einem Kriegsgefangenenlager in Wünsdorf errichtet worden.

Als dynamische Dauerausstellung konzipiert, werden die Objekte und Themenschwerpunkte in zeitlichen Abständen von sechs bis vierundzwanzig Monaten ausgetauscht, sodass das Flechtwerk der Dinge immer wieder neue Themen und Verknüpfungen hervorbringt und die Objekte auch für die Forschung und Lehre weiterhin in den Sammlungen nutzbar bleiben.

Kuratiert von Felix Sattler, Sarah Becker und Jessica Korp.
 
Idee und ursprüngliches Konzept: Felix Sattler und Dr. Jochen Hennig.