Archiv der Kategorie: Aktuelles

Physik Tanzen in der Grundschule: Projektwoche WisTanz

In der Woche vom 13. bis 17. April fand der Workshop “WisTanz” in Kooperation mit einer 6. Klasse der Grundschule Neues Tor statt. Mit diesem Projekt beginnt das Zentrum für Kulturtechnik (ZfK) eine Zusammenarbeit mit der Staatlichen Europa-Schule Deutsch-Portugiesisch, die in der unmittelbaren Nachbarschaft zum Campus Nord der Humboldt-Universität liegt. Weitere Partnerschulen im Projekt sind die Kolumbus-Grundschule in Reinickendorf und die Albert-Gutzmann-Schule im Wedding.

Die Kinder waren eingeladen, täglich für zwei Stunden in das Objektlabor am ZfK zu kommen und die unsichtbaren Phänomene der theoretischen Physik tanzend zu erforschen: Wie bewegen sich kleinste Teilchen? Was hält Planeten auf ihren Bahnen? Was ist  Relativität? Warum ist Schwerkraft so wichtig? Und wie fühlt es sich an, wenn „alles mit allem verbunden“ ist?

Das Projekt wurde von der Berliner Choreographin Irina Demina gemeinsam mit den theoretischen Physikerinnen Prof. Valentina Forini und Dr. Allison Pinto von der Humboldt-Universität im Rahmen des Programms „WisTanz an der Grundschule“ entwickelt und vom Team für Wissensaustausch mit der Gesellschaft am Zentrum für Kulturtechnik beauftragt und begleitet.

Der Workshop war geprägt von einem lebendigen Austausch: Die Kinder stellten zahlreiche Fragen und brachten sich aktiv und mit großer Neugier ein. Viele äußerten großes Interesse, auch andere Fächer wie Mathe, Englisch oder Kunst über Tanz zu erlernen. Die Verbindung von wissenschaftlichen Inhalten mit kreativen Methoden ermöglichte einen spielerischen Zugang, in dem sich naturwissenschaftliches Denken mit künstlerischen Ausdrucksformen ergänzte und Körperbewusstsein sowie kooperatives Arbeiten förderte.

Durch das Projekt sollen frühe Zugänge zu Wissenschaft für Alle ermöglicht werden.

Eine Kostprobe für Kinder ab 7 Jahren wird am 6. Juni bei der Langen Nacht der Wissenschaft im Institut für Physik (3.101, Stockwerk, 3. OG) in Adlershof erlebbar sein:
17.15 – 18.00 Uhr
18.15 – 19.00 Uhr

Bei Fragen zum Projekt: wissensaustausch.zfk@hu-berlin.de

Für mehr Eindrücke zu Tanz und Wissenschaft an der HU: Zum Video

Irina Demina ist Choreografin, künstlerische Forscherin und Pädagogin. 2024 gründete sie SCARBOD Lab – als transdisziplinäre Plattform für körperbasierte Formate zwischen Wissenschaft und Kunst. 2025 war sie Artist in Residence am ZfK (HU) und arbeitet aktuell an ‚Science on the Dancefloor‘ (Universität Tübingen).

Dr. Allison Pinto ist Sciencefluencer, Physikerin und Verwaltungsleiterin am Institut für Physik (HU) und hat 2022 mit weiteren Mitgliedern des Graduiertenkollegs „Rethinking Quantum Field Theory“ u.a. den YouTube-Kanal „Non-Standard Models“ ins Leben gerufen. Auch auf Instagram und TikTok vermittelt sie physikalische und mathematische Konzepte – manchmal durch Tanz.

Werkstatt-Konferenz: Lernen, Lehren und Forschen mit der Gesellschaft

Engagement mit gesellschaftlichen Akteuren ist eine der vier Säulen der UNESCO-Empfehlung zu Open Science: Personen und Institutionen aus der Gesellschaft sollen aktiv an der Schaffung von Wissen beteiligt und wissenschaftliche Prozesse auf der Basis partizipativer Kooperationen transparenter, integrativer und für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich gestaltet werden.

Das HU Kompetenzfeld ‚Wissensaustausch mit der Gesellschaft‘ am Zentrum für Kulturtechnik und das BUA Programm ‚Botschafter*innen für eine Offene Wissenschaft’ laden alle Interessierten dazu ein, Möglichkeiten solcher innovativen Zusammenarbeit und Austauschformate zwischen wissenschaftlichen, künstlerischen und zivilgesellschaftlichen Perspektiven auf der Werkstatt-Konferenz zu diskutieren. Im Fokus stehen erprobte Kooperationen aus partizipativer Forschung, Ausstellungspraxis oder Lehre sowie künstlerisch-wissenschaftliche Zusammenarbeit an der Humboldt-Universität. Ein besonderer Akzent liegt dabei auf der Praxis des Übersetzens zwischen verschiedenen Akteuren aus Wissenschaft und Gesellschaft um Wissensproduktion als gemeinsamen, dialogischen Prozess zu gestalten. Die Veranstaltung reflektiert Übersetzungspraktiken zwischen Forschung und Anwendung, zwischen universitärer Lehre und außeruniversitären Erfahrungsräumen sowie zwischen wissenschaftlichen, künstlerischen und alltäglichen Wissensformen.

Die Veranstaltung mit Werkstatt-Charakter bietet Raum für Vernetzung, informellen Erfahrungsaustausch und praxisorientierte Diskussionen mit dem Ziel, innovative Formate und Kooperationen im Wissenschaftsalltag umzusetzen und zu den Grundsätzen von Open Science beizutragen: nachhaltige Transparenz und Öffnung von Wissenschaft, Stärkung gesellschaftlicher Zusammenarbeit und Teilhabe, sowie Enthierarchisierung von Wissensproduktion.

Zeit: Freitag, 12. Juni 2026

Ort: Zentrum für Kulturtechnik, HU Campus Nord, Haus 3, Philippstr. 13, 10155 Berlin

Anmeldung: Werkstatt-Konferenz

Programm
Pre-Conference (auf Einladung)
09:30-11:30 Pre-Conference: Workshop zur Zukunft und Strategie für Partizipation in Forschung und Lehre an der HU Berlin: Der Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft prägt seit jeher das Selbstverständnis der Humboldt-Universität zu Berlin. Aufbauend auf diesem Anspruch sollen die Strukturen und Kooperationen an der Humboldt-Universität kontinuierlich weiterentwickelt werden um Impulse für eine offene Wissenschaft zu setzen und das Lernen, Lehren und Forschen in partizipativen und transdisziplinären Formaten zu fördern. Der Workshop widmet sich der Zukunft und den strategischen Zielsetzungen im Themenfeld Wissensaustausch mit der Gesellschaft. Er diskutiert notwendige institutionelle Veränderungen, Unterstützungsstrukturen für engagierte Universitätsmitglieder und nächste Schritte. In einem World-Café-Format sind die Teilnehmenden eingeladen, Perspektiven auszutauschen und zukünftige Entwicklungen gemeinsam zu erarbeiten.
11:30 Begrüßung und Kaffee
Panel-Diskussion „Zwischen Universität und Gesellschaft“
12:00-13:30 Panel-Diskussion „Zwischen Universität und Gesellschaft: Übersetzen, Vermitteln, Verlernen. Reflexive Praktiken der Wissensproduktion”: Das Panel versteht Wissensaustausch als eine Form reflexiver Übersetzungsarbeit zwischen Universität und Gesellschaft. Im Mittelpunkt stehen Erfahrungen aus transversaler Lehre, partizipativer Forschung und künstlerisch-wissenschaftlicher Zusammenarbeit. Diskutiert wird, wie Wissensproduktion gestaltet werden kann, ohne bestehende Hierarchien und Ausschlüsse zu reproduzieren, und welche Rolle dabei Reflexion, Verlernen und situierte Praxis spielen. Zugleich spricht das Panel nicht nur über Übersetzen, Vermitteln und Verlernen, sondern widmet sich diesen Fragen unmittelbar, indem Erfahrungen aus der Projektpraxis entlang des DCRP-Ansatzes reflektiert werden (Decolonial Critical Reflective Practice). Im Gespräch wird insbesondere die Differenz zwischen anfänglichen Erwartungen und den Erfahrungen in der Umsetzung in den Blick genommen und Raum eröffnet, um Spannungen und Missverständnisse im Forschungsprozess sowie die damit verbundenen Lernprozesse zu reflektieren.
13:30-14:20 Mittagessen
Praxisdiskurs „Lernen und Lehren mit der Gesellschaft“
14:20-15:20 Praxisdiskurs I: Situierte Praxis & Place-Based Learning: Der Praxisdiskurs thematisiert Konzepte, Methoden und praktische Erfahrungen der situierten Praxis, des Community-based und des Place-based Learning als Ansätze des Lernens und Lehrens mit der Gesellschaft. Lernen als wird als ein in konkrete soziale, räumliche und gesellschaftliche Kontexte eingebetteter Prozess verstanden, bei dem Studierende und Projekte mit außeruniversitären Partner*innen und lokalen Communities zusammenarbeiten und wissenschaftliche Fragestellungen mit realen gesellschaftlichen Herausforderungen verbinden. Im Fokus stehen Chancen, Herausforderungen und Rahmenbedingungen partizipativer und ortsbezogener Lehr- und Projektformate, die Lehre und universitäre Arbeit als gemeinsamen wechselseitigen Wissensraum gestalten und gesellschaftliche Perspektiven in Seminare und Projekte integrieren.
15:30-16:30 Praxisdiskurs II: Praxisakteure in der Lehre und im Lehramt: Der Praxisdiskurs bespricht wie die Einbindung gesellschaftlicher Akteur*innen in der Lehrkräftebildung gelingen kann. Kooperationen mit Schulen, zivilgesellschaftlichen Initiativen, kulturellen Einrichtungen oder lokalen Organisationen ermöglichen angehenden Lehrkräften, pädagogische Praxis frühzeitig mit gesellschaftlichen Perspektiven zu verbinden, Schule als Teil eines sozialen und demokratischen Umfelds zu verstehen und kreatives Lernen und Lehren auszuprobieren. Das Panel ermöglicht einen Austausch über Potenziale, kreative Kooperationen und Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit gesellschaftlichen Partner*innen in der Lehrkräftebildung.
16:30-17:00 Kaffeepause
Performative Begegnungen „Embodied Futures: Wissen und Bewegung“ (findet in Englisch statt)
Embodied Futures: Wissen und Bewegung: Welche Rolle spielt der Körper als Ort von Erkenntnis in einer postdigitalen Wissenskultur? Welche epistemischen Perspektiven eröffnen körperbasierte Ansätze für Lern- und Forschungsprozesse, die traditionell stark kognitionszentriert ausgerichtet sind? Zwei interaktive Präsentationen und eine anschließende Paneldiskussion widmen sich diesen Fragen und zeigen, wie sie in kreativen Kollaborationen zwischen Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft erprobt werden. Die Veranstaltung gibt Einblick in Projekte des neuen Public Engagement Hub „Embodied Futures: Wissen und Bewegung“ am ZfK. Der Hub versteht Wissensproduktion als kooperativen Prozess und unterstützt Projekte und Lehrformate, die kreative körperbasierte Ansätze als Forschungsmethode, Lehrmedium und Vermittlungsformat erproben sowie wissenschaftlich-künstlerisch-praktisches Arbeiten als partizipative Praxis entwickeln.
17:00-17:50 Performative Begegnung I: Prof. Dr. Shintaro Miyazaki & Irina Demina
18:00-18:50 Performative Begegnung II: Anna Schäffner & Michaela Filzi
19:00-20:00 Panel-Diskussion zum Public Engagement Hub “Embodied Futures: Wissen und Bewegung”
Im Anschluss Getränke und Austausch

Veranstaltet durch

  • HU Kompetenzfeld ‚Wissensaustausch mit der Gesellschaft‘ am Zentrum für Kulturtechnik, die zentrale Anlaufstelle der HU Berlin für Public Engagement und partizipative Forschung, Lehre und Praxis
  • ZfK-Bereich ‘Theorie und Praxis des Kuratierens,’ Lehrstuhl für inter- und transdisziplinäre Auseinandersetzung mit kuratorischen Praktiken 
  • Programm ‘Botschafter*innen für eine Offene Wissenschaft’ mit Xenia Muth und Dr. Alia Rayyan von Zentrum für Kulturtechnik als Open Science Botschafter*innen 2025-26

   

Foto: Stefan Klenke

Thementage rund um Verwandtschaft – Schicksal oder Wahl?

Am Samstag 01.05. - Sonntag 02.05.2026 im Rahmen der Ausstellung "Beziehungsweise Familie"

Wir alle leben in Beziehung. Diese Erkenntnis inspiriert ein zweitägiges Festival im Humboldt Forum, das sich mit Wahlfamilie, biologischer Verwandtschaft und weiteren intimen Beziehungsgeflechten beschäftigt. Freuen Sie sich auf Tanzperformances, Konzerte, freundliche Chatbots, Lesungen, Spiele und Kurator*innengespräche in den Sonderausstellungen zu Beziehungsweise Familie.

Mit: Kim de l’Horizon, Lilibeth Cuenca Rasmussen, Black Dads Germany, Suli Puschban, Li Binyuan, Ernest und Theo Thiesmeier, Raymond Liew Jin Pin u.v.a.

Performances und Interaktionen

Am 1. Mai spüren wir dem Gefühl des „Einsseins“ nach, unter anderem mit einer Performance des Künstler* innenduos Mwangi Hutter. Oneness feiert Menschen, die trotz ihrer sehr unterschiedlichen Herkunft zusammengefunden haben.

Mit ihrer Performance Die mitochondriale Eva hinterfragt Lilibeth Cuenca Rasmussen die wechselnde und vielseitige Rolle von Mutterschaft.

Wie können wir Intimität aufbauen? Mit tanzenden Bändern entstehen in Raymond Liew Jin Pins When Two Flowers Meet flüchtige Bindungen.

Neugierige können sich in der interaktiven Installation be mAI friend mit einem Chatbot „befreunden“.

Der Animationstanz Transpersonal von Kristy Nataraja führt in die Afrika- und Ozeanien-Sammlungen des Ethnologischen Museums.

Im Foyer sind alle eingeladen, in der Performance Plaza von Li Binyuan einen bekannten Menschen nur anhand der Stimme wiederzufinden.

Im Gespräch

Theo und Ernest Thiesmeier präsentieren ihren neuen Film Familie sein. Die Premiere wird begleitet von einem Gespräch mit der gesamten Patchwork-Familie von Theo Thiesmeier.

Buchpreisträger*in Kim de l’Horizon gibt eine Lecture Performance über terrestrische Verwandtschaften – ausgehend vom Blutbuch (2022). My Migrant Mama laden ein zu Tee, inter-generationellem Austausch und Nagellack.

Speisen nach Wunsch zuzubereiten bedeutet, sich auszutauschen – kommen Sie in der Kochbox des Duos groundtable ins Gespräch.

Kinderprogramm

Am 1. Mai gibt es ein Konzert mit der gewitzten Musikerin Suli Puschban.

Im Wohnzimmer werden neue Bücher gelesen, die im jüngsten Book-A-Thon von Black Dads Germany im Humboldt Forum entstanden sind.

Alle sind eingeladen, in der interaktiven Mehrgenerationenführung durch die Ausstellung Beziehungsweise Familie herauszufinden, was für sie Familie ausmacht.

Mit den African Street Games wird das Humboldt Forum zu einem lebendigen Spielplatz.

Ergänzt wird das Angebot durch koreanisch-deutsches Geschichtentheater.

Schicksal oder Wahl? Thementage:

Sa, 01.05.2026, 10:30–18:30 
So, 02.05.2026, 10:30–18:30 

Mehr Infos zu den Thementage Schicksal oder Wahl?

Foto: Thementage III “Schicksal oder Wahl?”
© Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss / iStockphoto / Goodboy Picture Company

Kunstwerk des Monats: Dressed to impress – Friedrich II. von Moritz Götze

Objekt des Monats 04/2026

Erst für Erwachsene, dann Kinderspielzeug

Der Hallenser Maler Moritz Götze (* 1964) rekurriert in seiner Collage in dem für ihn typischen Pop-Art-Stil auf die seit dem 18. Jahrhundert und besonders im 19. Jahrhundert beliebten sog. Ausschneidebögen bzw. Hampelmänner und Ankleidefiguren. Sie waren anfänglich für Erwachsene, dann vor allem für Kinder ein Zeitvertreib. Die Hampelmänner kamen in Paris Mitte des 18. Jahrhunderts auf und erfreuten zunächst die adeligen Erwachsenen. Die auf einem Bogen gedruckten Einzelteile (Kopf, Korpus, Arme und Beine sowie Attribute) wurden ausgeschnitten und zusammenmontiert. Verschiedene Berufe und Stände, Völker aus aller Welt, Commedia dell’arte-Figuren und Tiere bildeten das Repertoire. Soldaten und Militärisches waren ebenfalls zu Beginn ein Schwerpunkt dieser durch Flächigkeit und betonter Typisierung charakterisierten Kunst. Bekannte politische Figuren, v. a. Monarchen und hochrangige Militärs, wurden als Hampelmänner, d. h. Witzfiguren, zur Karikatur. Ankleidefiguren hingegen entstammen der Modewelt und erschienen mit Accessoires als Beilagen zuerst in englischen Modejournalen Ende des 18. Jahrhunderts bevor sie beliebtes Spielzeug vor allem für Mädchen wurden.

Foto einer an der Wand montierten Collage, die Friedrich II. und ihm zugeordnete Attribute zeigt.
Moritz Götze, Bilderbogen Friedrich II., Collage/ Emaille, 2012; Foto: Barbara Herrenkind

Ein Bilderbogen des Lebens

In vergrößertem Maßstab und mit der Technik der Emaille präsentiert Moritz Götze in eben dieser Manier einer Ankleidepuppe den preußischen König Friedrich II., umgeben – bzw. verbunden mit simulierten Faltlaschen – von charakteristischen Motiven. Wie im echten Leben wird er etwa treu begleitet von seinem Windhund (vielleicht seine Hündin Biche). Kanone und Trommel verweisen auf die von ihm geführten Kriege (Schlesische Kriege, Siebenjähriger Krieg). Kirschen aß Friedrich besonders gern und ließ sie anbauen. Die Motive Spaten und Kartoffeln folgen der landläufigen – wenn auch nicht ganz korrekten – Erzählung, laut der der Preußenkönig die Kartoffel in Preußen als Nahrungsmittel fürs Volk einführte. Auch eine Büste Voltaires fehlt nicht, um auf dessen Korrespondenz mit dem aufgeklärten Monarchen hinzuweisen. Die musikalische Begabung und die von ihm selbst verfassten Schriften werden durch Noten mit Feder und Tintenfass sowie Schriftstücke verbildlicht. Schließlich findet sich noch eine Tabakdose (Schnupftabak konsumierte Friedrich häufig) sowie ein Medaillon mit einem Frauenbildnis und einer Offiziersmütze mit dem Schwarzen Adlerorden. Sowohl die veränderten Größenverhältnisse als auch das Material konterkarieren die Nutzung als Kinderspielzeug und spielen mit dem Image des Soldatenkönigs.

Lebendige Geschichte

Götze setzte sich auch mit anderen Persönlichkeiten der deutschen Geschichte (Martin Luther, Wilhelm I., Fürst Pückler) auseinander und schuf für den Deutschen Bundestag Geschichte und Geschichten in moderner plakativer Formensprache. Die vermeintlichen Helden der Geschichte werden zwar erinnert, aber ohne Pathos, sondern mit Mitteln der Pop-Art und Comicsprache.

Autorin: Christina Kuhli

 

Literatur:

https://www.bundestag.de/besuche/kunst/zeitgenoessische_kuenstler/goetze-576304 [letzter Zugriff: 09.01.2026];
Sigrid Metken: Geschnittenes Papier. Eine Geschichte des Ausschneidens in Europa von 1500 bis heute, München 1978;
Heilige, Herrscher, Hampelmänner. Bilderbogen aus Weißenburg, Ausst.-Kat. Badisches Landesmuseum Karlsruhe/ Wissembourg, Grange aux Dîmes 1999, Stuttgart 1999;
Juliane Bardt: Kunst aus Papier. Zur Ikonographie eines plastischen Werkmaterials der zeitgenössischen Kunst (= Studien zur Kunstgeschichte, Bd. 169), Hildesheim/Zürich/New York 2006.

Lernen und Lehren mit der Gesellschaft: offene Veranstaltungen und Seminare

In Lehrveranstaltungen des Förderprogramms „Lernen und Lehren mit der Gesellschaft“ erkunden Lehrende und Studierende, wie Lernen in und mit der Gesellschaft gestaltet werden kann und öffnen die Kurse für eine beite Teilnahme.

Veranstaltungsreihe zum Archiv “The Fifth Wall – Navina Sundaram”

In Kooperation mit Akteur*innen aus Bildungsarbeit, künstlerischer Film- und Archivpraxis reflektiert das Seminar “The Fifth Wall – Navina Sundaram. Arbeiten mit einem digitalen und materiellen Archiv“ von Prof. Dr. Nadja-Christina Schneider theoretische und methodologische Zugänge zu Archiven. Ausgangspunkt ist das Archiv „The Fifth Wall – Navina Sundaram“, das journalistische, filmische und persönliche Materialien unter anderem zu Migration, Feminismus, Dekolonisierung und Medienkritik versammelt.

Die öffentliche Veranstaltungsreihe, moderiert von Prof. Dr. Nadja-Christina Schneider, bietet im Sommersemester 2026 Einblicke in das Online-Archiv, in die Arbeit mit ausgewählten Originalmaterialien und in Diskurse um Archive als Orte gesellschaftlicher Wissensproduktion. Um eine kurze Anmeldung zum Veranstaltungsbesuch an wissensaustausch.zfk@hu-berlin.de wird gebeten.

Archivische Praxis zwischen Online-Archiv und Sammlung: “Die Fünfte Wand – Navina Sundaram”

29.04.2026, 16:00 Uhr, ZfK Objektlabor

Präsentation und Gespräch mit Merle Kröger, Krimi-Schriftstellerin, Drehbuchautorin, Filmemacherin, Künstlerin und Produzentin. Zusammen mit Mareike Bernien und in enger Abstimmung mit Navina Sundaram hat sie das Online-Archiv “Die fünfte Wand” konzipiert und umgesetzt.

Kuratiertes Erinnern im digitalen Raum: Konzept, Ansatz und Realisierung des Online-Archivs „Die Fünfte Wand – Navina Sundaram“

06.05.2026, 16:00 Uhr, ZfK Objektlabor

Präsentation und Gespräch mit Mareike Bernien, Künstlerin, Filmemacherin und Dozentin. In Ihrer Arbeit konzentriert sie sich auf Erinnerungspolitik, Medienarchäologie und kritische Archivierungspraktiken. Zusammen mit Merle Kröger und in enger Abstimmung mit Navina Sundaram hat sie das Online-Archiv “Die fünfte Wand” konzipiert und umgesetzt.

Von “Die fünfte Wand” zu “WHO CARED”. Sichtbarkeit schaffen durch digitale Archive

20.05.2026, 16:00 Uhr, ZfK Objektlabor

Präsentation und Gespräch mit Urmila Goel, Kulturanthropologin und Vertretungsprofessorin für Europäische Ethnologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit den späten 1990ern forscht sie zur Migration aus Indien nach Deutschland. Die digitalen Archive “Die fünfte Wand” und “WHO CARED” schaffen Sichtbarkeit für unterschiedliche Migrationsbewegungen aus Indien in die BRD in den 1960er/70er/80ern.

Sehen, Einordnen, Weiterdenken: Bildungsarbeit zu Medienpraxis, Geschichte und Gegenöffentlichkeit im Navina Sundaram-Archiv

03.06.2026, 16:00 Uhr, ZfK Objektlabor

Interaktiver Workshop mit Rubaica Jaliwala, freiberufliche Lektorin und Übersetzerin von literarischen, künstlerischen und kulturellen Texten und Büchern. Sie lebt in Mumbai und Berlin. Als Trainerin und Bildungsberaterin hat sie auf vier Kontinenten Workshops zu den Themen interkulturelles Lernen und Vielfalt, Antirassismus und Gender geleitet.

Archive befragen: Studentische Forschungsprojekte im Kontext des Navina Sundaram-Archivs und darüber hinaus

10.06.2026, 16:00 Uhr, ZfK Objektlabor

Kurzpräsentationen und Gespräch mit HU-Studierenden über bereits abgeschlossene bzw. laufenden Forschungsprojekte, die aus der Auseinandersetzung mit dem Navina Sundaram-Archiv entstanden sind.

Über die Medienarbeit hinaus: Zur Bedeutung von Navina Sundarams Dokumentarfilmen

01.07.2026, 16:00 Uhr, ZfK Objektlabor

Präsentation und Diskussion mit Nadja-Christina Schneider, Professorin für Gesellschaften und Kulturen Südasiens an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie forscht und lehrt unter anderem zu den Bereichen Gender, Medien und Stadt.

(Um eine kurze Anmeldung zum Veranstaltungsbesuch an wissensaustausch.zfk@hu-berlin.de wird gebeten.)

 

“Berlin. Kultur. Stadt.” Kulturräume in Berlin: eine datengestützte räumliche Erforschung

29.05.2026, 16-20:00 Uhr, ZfK Kurssaal

Die Veranstaltung des Seminars „Berlin. Kultur. Stadt“ behandeln interdisziplinäre Perspektiven auf die „Kreative“ Stadt Berlin – mit ihren kultur- und stadtentwicklungspolitischen Erscheinungsformen, Politiken und Räumen. Die im Seminar erprobten methodischen Zugänge zur raumbezogenen Erforschung des Berliner Stadtraums, von qualitativen Methoden bis zu kreativen Forschungsansätzen wie Mapping/Kartierung oder multisensorische Ansätze, Sound- oder Smellscapes, werden in einer Abschlussausstellung und in einem Fishbowl-Talk besprochen.

“Berlin. Kultur. Stadt” – ein Projekt der HU Berlin präsentiert von Geographie-Studierenden unter Leitung von Prof. Dr. Friederike Landau-Donnelly in Kooperation mit Kulturraum Berlin gGmbH.

Um eine kurze Anmeldung zum Veranstaltungsbesuch an wissensaustausch.zfk@hu-berlin.de wird gebeten.

 

Theaterpraxis – Living Archive

Lange Nacht der Wissenschaften

06.06.2026, 17:00-24:00 Uhr, an verschiedenen Standorten

In dem Kurs “Theaterpraxis: Living Archives” erwecken Studierende Objekte, Texte und ihre Geschichte(n) aus HU-Archiven und Sammlungen mit Literaturbezug zum Leben. Anhand von Übungen und Methoden des Darstellenden Spiels und des Improvisationstheaters werden Ausdrucksmöglichkeiten von Stimme, Körper, Gestik und Mimik erkundet und kleine Einzel- und
Gruppenszenen erarbeitet. Diese ’Objektszenierungen’ werden als Pop-Up-Aufführung bei der Langen Nacht der Wissenschaften vorgestellt!

Die genauen Informationen zu den Standorten der Pop-up-Aufführungen werden hier in Kürze veröffentlicht.

 

Abschlussveranstaltung des Seminars

10.07.2026, 17:00-20:00 Uhr, ZfK Objektlabor

Eine weitere Aufführung der Objektinszinierungen wird am 10.07. am Objektlabor stattfinden. Um eine kurze Voranmeldung an wissensaustausch.zfk@hu-berlin.de wird gebeten.

 

 

„Hazardous Hope. Streifzüge durch das kontaminierte Berlin“

16.07.2026, Nachmittags, Tempelhofer Feld

Die Abschlussveranstaltung des Kurses ‘Hazardous hope’ lädt zu einem partizipativen Programm ein, bei der die Studierenden Einblicke in ihre Streifzüge durch das kontaminierte Berlin geben. Bei diesen erkundeten die Studierenden Stoffpolitiken der ‘hazardous hope’ – eine Praxis, die inmitten der Realität permanent kontaminierter Umgebungen neue Formen des Zusammenlebens erprobt.

Weitere Details zu der Veranstaltung werden hier in Kürze bekanntgegeben.

 

 

Werkstatt-Konferenz „Lernen, Lehren und Forschen mit der Gesellschaft“ 

12. Juni 2026, 09:30–19:30 Uhr, Zentrum für Kulturtechnik

Wie gelingen erfolgreiche Kooperationen und Austausch zwischen Kunst, Gesellschaft und Wissenschaft? Die Werkstatt-Konferenz des Kompetenzfeldes ‚Wissensaustausch mit der Gesellschaft‘ lädt ein, diesen Grundsatz von Open Science praxisorientiert zu diskutieren: im Fokus stehen Übersetzungspraktiken zwischen verschiedenen Wissensformen und Akteuren, partizipative Lehrformate und künstlerisch-wissenschaftliche Kooperationen zu bewegungsbasierten Methoden.

Foto: Franziska Blume

Aktuelles Lehrangebot des ZfK im Sommersemester 2026

Im Sommersemester 2026 bietet das ZfK wieder ein vielfältiges Lehrangebot:  zum einen ein interdisziplinäres Angebot unserer Zweitmitglieder aus den Bereichen Geographie, Internationales, Kunst- und Bildgeschichte,  Asien- und Afrikastudien, Europäische Ethnologie und Medienwissenschaft; Zum anderen das Lehrangebot der beiden Lehrstühle Sozialanthropologie (Prof. Macdonald) und Theorie und Praxis des interdisziplinären Kuratierens (Prof. Tyradellis) sowie eine “Übung vor Originalen” der Kustodie. 

Eine Übersicht aller Lehrveranstaltungen ist auf Agnes – Lehre und Prüfung Online zu finden.

Des Weiteren unterstützt die Förderung „Lernen und Lehren mit der Gesellschaft: Transdisziplinäres Kursprogramm“ Lehrveranstaltungen, in denen Lehrende und Studierende Formen des Lernens mit der Gesellschaft erproben. 

Neu: Das ZfK ist nun auf der zentralen Informationsseite der HU zum Überfachlichen Wahlpflichtbereich (ÜWP) zu finden. Dort gibt es alle wichtigen Hinweise für Studierende, die Module des ZfK im ÜWP belegen möchten.

Lernen und Lehren mit der Gesellschaft im Sommersemester 2026

Im Rahmen der Förderung „Lernen und Lehren mit der Gesellschaft: Transdisziplinäres Kursprogramm“ erkunden Lehrende und Studierende, wie  Lernen in und mit der Gesellschaft gestaltet werden kann.

In Kooperation mit Künstler:innen, Kultureinrichtungen und zivilgesellschaftlichen Initiativen integrieren die geförderten Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2026 Erfahrung und Wissen aus der Gesellschaft, darunter künstlerische Archiv- und Sammlungsarbeit, ortsspezifisches Wissen und diskriminierungskritische Diskurse. Sie erproben eine künstlerische Auseinandersetzung mit Themen wie Kultur, Gesundheit oder Umweltbelastung in Berlin, und nutzen bewegungsbasierte Methoden der Wissensverarbeitung in der politischen Theorie und in sozialen Bewegungen.

 

1. “The Fifth Wall – Navina Sundaram. Arbeiten mit einem digitalen und materiellen Archiv“

Prof. Dr. Nadja-Christina Schneider (Institut für Asien- und Afrikawissenschaften)

Das Seminar verbindet die Arbeit mit dem Online-Archiv „Die Fünfte Wand – Navina Sundaram“, das journalistische, filmische und persönliche Materialien zu Migration, Feminismus, Dekolonisierung und Medienkritik versammelt, und die praktische Auseinandersetzung mit Originalmaterialien im Objektlabor am ZfK. Archive werden als Orte gesellschaftlicher Wissensproduktion vertiefend reflektiert. In Kooperation mit Akteur*innen aus Bildungsarbeit, künstlerischer Film- und Archivpraxis sowie sechs öffentlichen Veranstaltungen werden außeruniversitäre Perspektiven eingebunden.

 

2. Theaterpraxis: Living Archives

Dr. Constanze Baum (Institut für deutsche Literatur)

In diesem Kurs am Theaterhaus Mitte und im Objektlabor am ZfK sollen als „Living Archives“ Objekte, Texte und ihre Geschichte(n) aus HU-Archiven und Sammlungen mit einem Literaturbezug zum Leben erweckt werden. Anhand von Übungen und Methoden des Darstellenden Spiels und des Improvisationstheaters werden Ausdrucksmöglichkeiten von Stimme, Körper, Gestik und Mimik erkundet und kleinere Einzel- und Gruppenszenen erarbeitet. Recherche, Entwicklung und Verschriftlichung einer solchen „Objektszenierung“ sowie eine Pop-Up-Aufführung ausgewählter Szenen bei der Langen Nacht der Wissenschaften sind Teil des Kurses.

 

3. Haltung zeigen als Lehrkraft? Zum Umgang mit Demokratiefeindlichkeit und Extremismus in Schule und Unterricht

Dr. Julia Frohn (Professional School of Education, PSE)

In Zusammenarbeit mit dem Verein “Aufstehen gegen Rassismus” behandelt das Seminar die Rolle von Lehrkräften im Umgang mit Demokratiefeindlichkeit und Extremismus. Es reflektiert, was es bedeutet, als Lehrkraft „Haltung zu zeigen“ und welche Handlungsspielräume für Lehrkräfte in Schule und Unterricht bestehen. Die begleitende Übung untersucht politische Mobilisierung auf TikTok mit Fokus auf Memes als Träger extremistischer Inhalte. Studierende analysieren deren Wirkung und entwickeln eigene demokratiefördernde Memes zur Demokratie- und Medienbildung.

 

4. Diskriminierungskritische Filmbildung zwischen Schule, Kino, Gesellschaft

Charlotte Wiesner (Institut für Erziehungswissenschaften, Deutschunterricht und seine Didaktik in der Primarstufe)

In dem filmdidaktischen Seminar für angehende Grundschullehrkräfte wird gemeinsam mit Studierenden in einem offenen Austausch mit Praxisakteur*Innen aus der Gesellschaft darüber nachgedacht, wie eine diskriminierungskritische Filmbildung im Klassenzimmer gestaltet werden kann. Das Seminar verfolgt dabei einen forschenden und partizipativen Ansatz. Hierfür werden Akteur*Innen aus der BIPOC-Community sowie aus der Film- und Kinolandschaft (z. B. Kinemathek, Vision Kino – Netzwerk für Film- und Medienkompetenz, Kinos, Filmschaffende) in das Seminar eingebunden.

 

5. Berlin.Kultur.Stadt.

Prof. Dr. Friederike Landau-Donnelly (Geographisches Institut, Kultur- und Sozialgeographie)

Ziel der Veranstaltung “Berlin.Kultur.Stadt.“ ist die Vermittlung von interdisziplinären Perspektiven auf die ‚Kreative‘ Stadt Berlin. Mithilfe von studentisch erarbeiteten Mappings verschiedener kultureller Infrastrukturen in Berlin und in Kooperation mit der zivilgesellschaftlichen Partnerin Kulturraum gGmbH, die das “Kulturkataster” ins Leben gerufen hat, erforschen die Studierenden kultur- und stadtentwicklungspolitische Bedeutung Berlins als Kulturstadt. In einer Abschlussausstellung geben die Studierenden im Rahmen transdisziplinärer Wissensvermittlung Einblicke in die raumbezogene Erforschung von Kulturorten.

 

6. Gesundheit und Kunst in Berlin: Institutionen, kollektive Praktiken und künstlerische Strategien

Maria Morata (Berlin Perspectives)

Wie hinterfragen zeitgenössische künstlerische Praktiken die Dichotomie von Gesundheit und Krankheit? Im Kontext von Disability Studies und Crip Theory untersucht der Kurs künstlerische Erfahrungen von Krankheit und Vulnerabilität als Ausgangspunkt für soziale Transformation und als emanzipatorische Strategien in einer normativen und ableistischen Gesellschaft. Der Kurs bringt Perspektiven von  Berliner Künstler*Innen, Kurator*innen und Wissenschaftler*innen zusammen und beinhaltet  Besuche im Berliner Medizinhistorischen Museum und im Tieranatomischen Theater der Humboldt-Universität.

 

„Embodied Futures. Wissen und Bewegung“

Im Rahmen eines neuenPublic Engagement Hubs am ZfK „Embodied Futures. Wissen und Bewegung“ werden Lehrveranstaltungen unterstützt, die kreative Bewegungsansätze als Forschungsmethode, Lehrmedium und Vermittlungsformat erproben und wissenschaftlich-künstlerisch-praktisches Forschen als partizipative Form der Wissensproduktion verstehen.

7. Hazardous Hope. Streifzüge durch das Kontaminierte Berlin

Dr. Léa Perraudin (Institut für Kulturwissenschaft und Medienwissenschaft, Exzellenzcluster Matters of Activity)

„Hazardous hope“ – so nennen Ayushi Dhawan und Simone M. Müller (2024) eine Praxis, die inmitten der Realität permanent kontaminierter Umgebungen neue Formen des Zusammenlebens erprobt, statt auf Reinheit oder Erlösung zu hoffen. Wir begeben uns auf Streifzüge durch das kontaminierte Berlin, um die Stoffpolitiken der hazardous hope über verkörperte und spekulative Methoden und im Austausch mit zivilgesellschaftlichen Akteur*innen, Community-Initiativen und Künstler*innen zu verhandeln.

 

8. Soziale Medien und soziale Bewegungen

Prof. Dr. Shintaro Miyazaki (Institut für Kulturwissenschaft und Medienwissenschaft)

Soziale Medien informieren nicht nur über die globale politische und gesellschaftliche Lage, sondern prägen zugleich den Alltag vieler Mitbürger*innen und tragen Maßgeblich zur Polarisierung bei. Die Vorlesung untersucht aus medienwissenschaftlicher Perspektive, wie diese Dynamiken entstehen und welche Rolle soziale Medien für nachhaltige soziale Bewegungen spielen können. Gemeinsam mit der Choreographin Irina Demina wird ein experimenteller Ansatz erprobt, der role-playing activities (Resnick & Wilensky) durch choreografische und körperbasierte Methoden erweitert, um soziale Dynamiken und Polarisierungsprozesse erfahrungsbasiert zu untersuchen.

 

9. Körper, Geschlecht, Öffentlichkeit. Einführung in Iris Marion Youngs feministische politische Theorie

Dr. Jeanette Ehrmann (Institut für Sozialwissenschaften, Arbeits- und Lehrbereich Theorie der Politik)

In diesem Seminar erschließen wir Iris Marion Youngs feministische politische Theorie anhand ihrer Essays zu weiblicher Körpererfahrung. Wir erkunden, wie Ungleichheit und Unterdrückung auf Körper wirken und verknüpfen dies mit intersektionalen Positionen zu Ableismus, Klassismus und Rassismus sowie zu trans* und nicht-binären Geschlechteridentitäten. Das Seminar findet in Zusammenarbeit mit einer Künstlerin im Rahmen des Hubs „Embodied Futures: Wissen und Bewegung“ statt und verbindet Körperwissen, Bewegung und theoretische Reflexion.

 

Ringvorlesung „Beziehungsweise Familie“ – am 18. März 2026 mit Dr. Lotte Warnsholdt

Kulturtechniken des Schweigens als Formen der Sorge 

Dr. Lotte Warnsholdt

Der Vortrag nimmt mit Bezug auf Literatur des 20. Jahrhunderts verschiedene Kulturtechniken des Schweigens in den Blick und untersucht sie hinsichtlich ihrer Formen der (Selbst-)Sorge. Selbstbestimmtes, souveränes Schweigen wahrt Geheimnisse und bietet geschützte Räume für die Ausbildung neuer Haltungen. Nur ist nicht jedes Schweigen selbstbestimmt, nicht jedes Schweigen souverän. Neben dem souveränen Schweigen stehen Formen des Schweigens, die Selbstleugnung oder einen Abbruch der Kommunikation bedeuten. Beispielsweise schreibt die Autorin Audre Lorde von dem Begehren, die eigene Angst im richtigen Verhältnis zu sehen und Schweigen in Sprache übersetzen zu können. Dabei spricht Lorde nicht über ein Leben ohne Angst, sondern von einem Verhältnis zur Angst, das abhängig von den Weisen des Schweigens ist. Es hieße, Schweigen nicht in Tyrannei, in die Katastrophe, übergehen zu lassen, sondern ein Maß zwischen Reden und Schweigen zu finden, in dem Schweigen auch als »mode of resistance to power« (Wendy Brown, 2005) wirken kann.

Der Vortrag findet in deutscher Sprache statt.

Die Teilnahme ist ohne Voranmeldung möglich und steht allen Interessierten frei.

Veranstalterinnen:

Prof. Dr. Daniel Tyradellis (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Alia Rayyan (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Laura Goldenbaum (Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss)

Ort und Zeit:

18. März 2026,

18 bis 20 Uhr

im Saal 3, EG, Humboldt Forum, Schlossplatz.

Weitere Informationen

Lotte Warnsholdt
Lotte Warnsholdt, © Paul Schimweg

Lotte Warnsholdt ist Kultur- und Medienwissenschaftlerin in Hamburg. Sie studierte Europäische Ethnologie in Kopenhagen, Philosophie und Rechtswissenschaft in Hamburg und schloss ihren Master sowie ihre Promotion in Kultur- und Medienwissenschaften an der Leuphana Universität Lüneburg ab. Sie arbeitet am Museum am Rothenbaum, Kulturen und Künste der Welt und ist dort u.a. Co-Kuratorin der Sonderausstellung KATZEN! (Laufzeit 2025-2026). Schwerpunkte sind Sorgeformen und -praktiken in Institutionen des Wissens. Sie schreibt zur Materialität und Gewalt der Archive, die in situ als auch digital begriffen werden. In ihrem Buch Im Schatten des Schweigens (transcript 2024) untersucht sie die Bedeutung von Schweigen und Geheimhaltung für soziale und historische Prozesse.

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Objekt des Monats: Spurensuche – Die Berliner Stiche

Objekt des Monats 03/2026

Ein besonders großer Bestand der Kunstsammlung umfasst Berlin-Ansichten und Darstellungen der Universitätsgebäude zu unterschiedlichen Zeiten. Mit Johann Stridbeck d. J. Zeichnungen Die Stadt Berlin im Jahre 1690 datieren die ältesten Berlin-Veduten Ende des 17. Jahrhunderts, vor allem aber stammen sie aus dem 18. Jahrhundert – erst mit der Vereinigung von Berlin und Cölln zur Residenzstadt 1709 erhielt die Stadt im Laufe des Jahrhunderts mit vielen repräsentativen Bauten ihr prächtiges Aussehen, das nun in vielen Reiseberichten, Briefen und literarischen wie bildlichen Darstellungen im In- und Ausland Interesse fand.

Der Veduten-, Bühnen- und Dekorationsmaler Johann Georg Rosenberg (1738-1808), in Paris und an verschiedenen deutschen Höfen tätig, nutzte diese Konjunktur. Er schuf zwischen 1773 und 1785 eine Reihe von 21 Radierungen bühnenmäßig inszenierter Prospekte von Berliner Straßen, Palästen, Kirchen und Plätzen. 20 handkolorierte Radierungen (plus Titelblatt) im Folio-Format erschienen 1786 im Verlag Johann Marino & Co. unter dem Titel Receuil des Prospects les plus beaux et les plus intéressants de Berlin. Der große Erfolg dieser Publikation führte zu verschiedenen weiteren Fassungen, die in Größe, Druckqualität und Farbigkeit stark voneinander abweichen. Besonders qualitätvolle Blätter besitzt das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin. Diese wurden 1995 in einer Faksimile-Ausgabe reproduziert, zusammen mit einer ausführlichen zeitgenössischen Beschreibung der baulichen, kulturellen, sozialen und ökonomischen Verhältnisse Berlins von Friedrich Nicolai, einem Berliner Schriftsteller und Verleger (Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, aller daselbst befindlichen Merkwürdigkeiten und der umliegenden Gegend, Berlin 1786).

Von den zwanzig Blättern dieser Reproduktionen, die sich in der Kunstsammlung befinden, sind hier zwei herausgegriffen, die u. a. den Palast des Prinzen Heinrich (das spätere Hauptgebäude der Universität) und die Königliche Bibliothek (die „Kommode“) zeigen.

Der Palast des Prinzen Heinrich wird in der Darstellung auf Blatt II (1780) als zweites Gebäude rechts hinter dem Zeughaus am Anfang der Prachtstraße Unter den Linden gezeigt.

Reproduktion einer alten Radierung aus dem 18. Jh., auf der Gebäude an der Straße Unter den Linden zu sehen sind.
Unter den Linden mit Zeughaus, Palais des Prinzen Heinrich und Opernhaus, 1780

Er ist durch die zwei Flügel um den Vorhof gut zu erkennen. Gegenüber sieht man die Oper und das heute so genannte Alte Palais – zum Zeitpunkt der Darstellung wurde dieser Bau von Luise Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel (1722-1780) bewohnt, der Witwe des Prinzen August Wilhelm von Preußen, dem ältesten Bruder des regierenden Königs Friedrich II. Dass dieser bereits in die städtische Topographie mit der architektonischen Umstrukturierung zugunsten des Forum Fridericianum eingegriffen hatte, wird allerdings nur indirekt deutlich: Der an das Palais angebauten Königlichen Bibliothek, die auf Blatt XI (1782) prominent den Blick auf den Platz nach rechts hin abschließt, fielen Garten und Rückgebäude zum Opfer.

Reproduktion einer alten Radierung aus dem 18. Jh., auf der der Berliner Opernplatz und andere Gebäude zu sehen sind.
Der Opernplatz mit der Königlichen Bibliothek und der katholischen St. Hedwigs-Kirche, 1782

Da Rosenberg das Blatt Friedrich II. widmete, wird das Gebäude an der Ecke zu Unter den Linden angeschnitten und das Ensemble um Bibliothek, Oper und Hedwigskirche mit seiner Anmutung als Forum in Szene gesetzt.

Mit ihrer Genauigkeit in der Wiedergabe architektonischer Details und topographischer Anlagen, dokumentieren die Radierungen Rosenbergs nicht nur das historische Berlin Ende des 18. Jahrhunderts, sondern erlauben auch einen vergleichenden Blick auf Gebäude, die wir trotz der Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs zumindest partiell noch heute bewundern können.

Autorin: Christina Kuhli

Besuch aus Lund am Zentrum für Kulturtechnik und im Humboldt Labor

Am Freitag, den 13. Februar 2026, begrüßten wir Kolleginnen der Lund University im Gerlachbau und im Humboldt Labor. Nachdem unsere Gäste auf der Suche nach dem richtigen Eingang bereits einen ersten Eindruck vom Campus gewinnen konnten, starteten wir gegen 9:15 Uhr mit dem fachlichen Austausch im Objektlabor.

Sammlungen in Forschung, Lehre und Transfer

Im Mittelpunkt standen die Universitätssammlungen – ihre Administration, Vernetzung und insbesondere ihr Einsatz in der Lehre. Sarah Elena Link stellte die Koordinierungsstelle vor, Nina El Laban Devauton und Martin Stricker präsentierten das Projekt „Teaching with Objects“, und Oliver Zauzig berichtete über seine Arbeit als zentraler Sammlungskoordinator der HU.

Die Kolleginnen aus Lund gaben Einblicke in aktuelle Entwicklungen an ihrer Universität, insbesondere in Bezug auf Forschung, Lehre und den Transfer in die Gesellschaft. Dabei wurden zahlreiche Gemeinsamkeiten, aber auch strukturelle Unterschiede deutlich. Besonders sichtbar wurde, dass wir mit der Koordinierungsstelle und dem umfangreichen Sammlungsnetzwerk in Deutschland ein viel beachtetes Modell etabliert haben, das auch international auf Interesse stößt.

Austausch im Netzwerk

Da großes Interesse an der Berlin University Alliance und dem Berliner Sammlungsnetzwerk bestand, besichtigten wir u.a. vor der Mittagspause die anatomische Sammlung der Charité – derzeit die einzige frei zugängliche Sammlung auf dem Campus Nord.

Am Nachmittag folgte der Besuch der Ausstellung „On Water. WasserWissen in Berlin“ im Humboldt Labor. Anna-Lisa Dieter führte durch die Ausstellung, anschließend diskutierten wir im Seminarraum gemeinsam weiter; auch Sharon Macdonald nahm daran teil. Unsere Gäste zeigten sich beeindruckt von den Möglichkeiten, die sich der HU mit dem Humboldt Labor eröffnen.

Nachhaltige Impulse

Der Besuch unterstrich, dass die HU mit ihren Sammlungen und Bühnen Maßstäbe setzt – zugleich wurde deutlich, dass hierfür verlässliche Ressourcen notwendig sind. Alle Beteiligten nahmen wertvolle Impulse für die eigene Arbeit mit. Der Austausch soll fortgesetzt werden, denn auch die HU profitiert von der weiteren Stärkung des europäischen Netzwerks.

Teilnehmende aus Lund:
Sara Virkelyst (zentrale Ansprechpartnerin für Museen und Archive), Charlotta Sokulski Bateld (Koordinatorin Kulturforum für Kunst und Wissenschaft), Louice Cardell Hepp (Kommunikation Kulturforum), Frida Stenmark (Museumskoordinator am Museum für künstlerische Prozesse und öffentliche Kunst) sowie Anki Wallengren (Prorektorin für Kultur und pädagogische Entwicklung).

Von Seiten des ZfK:
Sarah Elena Link, Nina El Laban Devauton, Martin Stricker, Anna-Lisa Dieter, Sharon Macdonald und Oliver Zauzig.

Dank an Xenia Muth und Eileen Klingner für die Unterstützung.