Archiv der Kategorie: Lautarchiv

Collegicum Musicologicum – Guest Lecture by Alia Mossallam, Lautarchiv „Towards Sonic Resocialization“

On May 28, 2026, at 6 pm

How does a song travel through time? Berlin sound archives and the critical labor of decolonization and return

 Alia Mossallam (Lautarchiv „Towards Sonic Resocialization“, Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik)

In this talk Alia Mossallam will engage with recordings made with North African prisoners of world war I, and housed in the Lautarchiv of the Humboldt University Berlin, while musician Aimee Rabah will engage musically with the archives of Robert Lachmann’s recordings made in 1930s Palestine. Mossallam will look at the layers of violence that stripped the stories from the storytellers, rendering them as archival objects in a colonial knowledge production project. What kind of listening can be done in this context? And how does the way we listen factor into our understanding and practice of restitution? Knowing that no ultimate return is possible, what are the many different returns that can be experienced in the return of a sound archive? What possibilities does the return of stories, of “communal remains” (Ariella Azoulay), present for acts of restitution, and future legacies of solidarity and survival, particularly expressed through song and music?

The lecture will be held in English.

Participation is possible without pre-registration and is open to all interested parties.

Place and time:

May 28, 2026,

6 to 7:30 pm

Collegium Musicologicum
Am Kupfergraben 5
10117 Berlin
room 501

Further information

Alia Mossallam is a cultural historian, writer and pedagogue interested in songs that tell stories, and stories that tell of little-known movements in world history. She is currently a research associate in the project „Towards Sonic Resocialization“, aiming at returning recordings in the Lautarchiv of the Humboldt University Berlin to the communities of the Prisoners of Wars’ origin. This is part of her larger research journey to trace solidarity between North African workers and soldiers on the fronts of World War I, and the insurrections that resulted upon their return from Egypt to Morocco. Her research focuses on tracing their physical and political journeys through songs documented in the various archives of the countries they passed through, as well as those that continue to resonate in communal memory in their homelands. She held the post of Distinguished visiting professor of Middle East Studies, at the Barenboim Said Akademie in Spring 2025.

Aimee Rabah is a Palestinian clarinetist currently studying at the Barenboim-Said Akademie in Berlin under the guidance of Matthias Glander. She began her musical education at the Barenboim-Said Music School in Palestine, where she studied until 2022. In 2022, she began her bachelor’s degree in Galicia, Spain, continuing her musical development before moving to Berlin in 2024 to pursue her studies at the Barenboim-Said Akademie. Her artistic development is shaped by both the Western classical tradition and her cultural background, which together inform her musical identity. She is particularly interested in chamber music, orchestral playing, and solo performance, and strives to bring depth, sensitivity, and authenticity to her work. Above all, she is passionate about bringing Palestinian music to the Western classical world, creating connections between cultures through her art.

Lautarchiv, Foto: Heike Zappe

Kooperationsprojekt am Lautarchiv

Sonic Imaginaries of Africa in German Cinema (1930–2000)

Der Wissenschaftsfond FWF fördert von 23.09.2024–22.09.2028 das Forschungsprojekt „Sonic Imaginaries of Africa in German Cinema (1930–2000)“ an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz. Kooperationspartner sind das Lautarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin und The Royal Anthropological Institute of Great Britain and Ireland.

Das Projekt wird einen Beitrag zur Entstehung und Entwicklung der Klangvorstellungen des filmischen Afrikas leisten. Seit den Anfängen der Kinematographie ist Afrika ein wichtiger Produktionsort für kommerzielle Filme aus dem globalen Norden. Da Musik oder Sound als sinnliche Dimension des Alltäglichen ein elementarer Bestandteil von Diskursen und Vorstellungen über den afrikanischen Kontinent sind, zielt das Projekt darauf ab, den filmischen Klang historisch und strukturell zu analysieren.

Völlig neu in diesem Projekt ist die Einbeziehung von anthropologischem Material in die Analyse der Filmmusik, die sich auf empirische Archivarbeit stützt.

Im Berliner Lautarchiv arbeitet Frau Dr.in Maria Fuchs vom 13. Januar 2025 bis zum Mai 2025 im BesucherInnen-Raum erstmalig an einem bislang unerschlossenen Konvolut historischer Schriftdokumente, die für ihr Projekt relevant sein könnten. Obiges Dokument zeigt einen Ausschnitt aus dem Artikel „Das „tönende Museum“, Westfälische Zeitung, Bielefeld, Nr. 88, 15. April 1932 – ein erster themenrelevanter Fund, der das Potenzial des Archivs für die Verwendung des Tonfilms in dieser Zeit erahnen lässt.

 

-> weitere Infos

Humboldt-Preis 2024

Paula Zwolenski mit dem Humboldt-Preis ausgezeichnet

Paula Zwolenski wurde für Ihre Bachelorarbeit “Sensible Tonaufnahmen aus dem Archiv. Kommunikationsversuche und Selbstverortung in den Tonaufnahmen des indischen Kriegsgefangenen Baldeo Singh” mit dem Humboldt-Preis 2024 ausgezeichnet.

In ihrer Arbeit untersucht sie, wie Baldeo Singh die kolonial geprägte Aufnahmesituation der Phonographischen Kommission nutzte, um zu kommunizieren und sich als individueller Sprecher zu positionieren. Zwolenski analysiert dabei Machtasymmetrien, dekonstruiert koloniale Praktiken und eröffnet Perspektiven für die Dekolonialisierung historischer Bestände.

Mit dem Humboldt-Preis würdigt die Humboldt-Universität zu Berlin jährlich ausgezeichnete wissenschaftliche Arbeiten von Studierenden und Nachwuchswissenschaftler*innen.
Die Preisverleihung fand am 12. November im Lichthof Ost der Humboldt-Universität zu Berlin statt.

Abschlussarbeiten 2024

Qualifikationsarbeiten zum Lautarchiv 2024

Im Jahr 2024 haben drei StudentInnen ihr Masterstudium mit einer Arbeit über ein Lautarchiv-bezogenes Thema erfolgreich abgeschlossen.

An der Universiteit van Amsterdam ist im Fachbereich Cultural Analysis (Lehrstuhl: Prof. Rolando Vázquez) eine Masterarbeit von Marie Baur zum Thema ‚Return(s) Listening to and beyond Voice Recordings of Martinican and Guadeloupean Prisoners of War in Germany during the First World War‘ entstanden.

Am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin hat Dominik Biewer sein Masterstudium mit einer Arbeit zum Thema ‚Die Stimme im Vollzug. (Re-)Figurierung einer „kriminellen Stimmaufnahme“ im Archiv‘ erfolgreich abgeschlossen (Lehrstuhl: Prof. Silvy Chakkalakal).

Im Studiengang Sprache und Kommunikation der Technischen Universität Berlin (Lehrstuhl: Prof. Thiering) ist von Luise Haubenreiser eine linguistische Arbeit zum Thema ‚Das koloniale Archiv als Hort der Macht. Auf der Suche nach dekolonialen Resonanzen in der linguistischen Praxis‘ vorgelegt worden.

Herzlichen Glückwunsch!

Alle drei Arbeiten befinden sich in der Handbibliothek des Lautarchivs und können auf Wunsch nach Vereinbarung vor Ort eingesehen und gelesen werden.

Symposium „Ohne Erinnerung keine Zukunft. Strategien des Bewahrens in Kulturarchiven“ – Nürnberg, 20.-22.06.2024

Alleine in Deutschland gibt es über 350 verschiedene Archive, die Sammlungen zu Architektur, Fotos, Tanz und mehr beinhalten. Deshalb veranstaltet das Institut für moderne Kunst mit dem Neues Museum Nürnberg eine Konferenz zum Thema „Ohne Erinnerung keine Zukunft. Strategien des Bewahrens in Kulturarchiven“. Bei diesem Symposium sprechen Gäste aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz über die Arbeit und Herausforderungen von Kulturarchiven.

Alina Januscheck und Christopher Li aus dem Projekt „Towards Sonic Resocialization“ werden dort am Freitag, 21.6.24, einen Vortrag halten. Mit dem Fokus auf die Ethik(en) des Lautarchivs soll der Umgang mit Beständen aus kolonialen Unrechtskontexten thematisiert werden. Zudem wird angesprochen, welche Auswirkungen diese Ethiken auf eine heutige und zukünftige Erinnerungskultur des Lautarchivs haben.

Datum: 20.–22.06.2024
Ort: Auditorium im Neuen Museum Nürnberg, Luitpoldstraße 5, 90402 Nürnberg
Kosten: EUR 50,– (Vortragende + Studierende kostenfrei)
Website: https://www.moderne-kunst.org/archiv/kulturarchive-projekt

Lange Nacht der Wissenschaften 2024 – ECHOING ARCHIVES

Am 22.06.2024 findet wieder die Lange Nacht der Wissenschaften statt. Das Collegium Hungaricum Berlin feiert sein 100-jähriges Jubiläum und stellt in diesem Rahmen den Inhalt von Archiven vor.

Neben Führungen durch das Kolleg und einer interaktiven Klanginstallation werden Vorträge angeboten. Das Lautarchiv stellt hierbei eine Tonaufnahme aus seinem Bestand von Robert Gragger vor, der das Collegium Hungaricum um 1924 gründete.

Datum: 22 Juni 2023
Zeitpunkt: 17:00 Uhr
Ort: Collegium Hungaricum Berlin, Dorotheenstraße 12, 10117 Berlin
Website: https://culture.hu/de/berlin/veranstaltungen/lndw2024

DZK-Projekt „Towards Sonic Resocialization“ am Lautarchiv

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste fördert vom 1.3.2024 bis zum 28.2.2026 das Forschungsprojekt „Towards Sonic Resocialization“ am Berliner Lautarchiv. Erstmals stehen damit nicht Objekte, sondern Tonaufnahmen im Mittelpunkt der Forschung. Das Lautarchiv untersucht seine Sammlung von Aufnahmen Kriegsgefangener des Ersten Weltkriegs, die in den Kolonien für die Armeen europäischer Mächte rekrutiert worden waren. Darunter befinden sich 456 Tondokumente von afrikanischen Gefangenen in deutschen Lagern.

Die digitalisierten Aufnahmen und die zugehörigen historischen Schriftdokumentationen sollen mit dem Institut Fondamental d‘Afrique Noire im senegalesischen Dakar sowie perspektivisch mit weiteren afrikanischen Archiven geteilt werden. In diesem Zuge werden auch die bisherigen Metadaten des Lautarchivs einer kritischen dekolonialisierenden Onomastik unterzogen. Das bedeutet, dass die entstandenen Kategorien und Begrifflichkeiten, die im Zuge der Kolonialisierung entstanden, hinterfragt und überarbeitet werden.

Besonders wichtig ist dem Projekt hierbei von Beginn der proaktiven Austausch mit den jeweiligen Source Communities und die Kooperation mit ihnen. Für die Übersetzungen der aufgenommen Texte und Dokumentationen werden Individuen aus den Herkunftsländern eingestellt. Zudem wird Provenienzforschung zu den Herkunftsorten der Kolonialsoldaten durchgeführt und genealogische Forschung betrieben, um mögliche Nachfahren ausfindig zu machen.

Das Projekt möchte ein Modell schaffen für den zukünftigen Umgang mit kolonialem Erbe in Klangarchiven. Perspektivisch soll dies nicht nur mit Aufnahmen von Sprechern vom afrikanischen Kontinent, sondern mit allen kolonialen Aufnahmen des Lautarchivs durchgeführt werden.

DZK_Logo

Schellackplatte Lautarchiv – Foto © Christopher Li

Qualifikationsarbeiten zum Lautarchiv 2023

Im Jahr 2023 haben drei Studentinnen ihr Master- bzw. Bachelorstudium mit einer Arbeit über ein Lautarchiv-bezogenes Thema erfolgreich abgeschlossen.

An der Universität Aarhus ist eine Masterarbeit von Nikoline Jørgensen im Fachbereich Comparative Literature (Lehrstuhl Prof. Marianne Ping Huang) zum Thema ‘A decolonial universal museum? A reading of metamuseal stories of decoloniality at Berlin’s Humboldt Forum’ unter Berücksichtigung des Lautarchivs entstanden. Nikoline hatte im Vorjahr ein dreimonatiges Praktikum am Lautarchiv absolviert.

In der Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität (Lehrstuhl Prof. Christian Kassung) hat Paula Zwolenski ihr Bachelorstudium mit einer Arbeit zum Thema ‘Sensible Tonaufnahmen aus dem Archiv. Kommunikationsversuche und Selbstverortung in den Tonaufnahmen des indischen Kriegsgefangenen Baldeo Singh’ erfolgreich abgeschlossen.

An der Transkulturellen Musikwissenschaft der Humboldt-Universität (Lehrstuhl Prof. Sebastian Klotz) hat Sophie Ehmke ihr Bachelorstudium mit einer Arbeit zum Thema ‘Der postkoloniale Umgang mit den Kriegsgefangenenaufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg im Lautarchiv Berlin’ erfolgreich abgeschlossen.

Herzlichen Glückwunsch!

Alle drei Arbeiten befinden sich in der Handbibliothek des Lautarchivs und können auf Wunsch nach Vereinbarung vor Ort eingesehen und gelesen werden. Nikoline Jørgensens Arbeit liegt gegenwärtig ausschließlich in dänischer Sprache vor (Et dekolonialt universelt museum? – En læsning af metamuseale fortællinger om dekolonialitet på Berlins Humboldt Forum).

Bitte wenden Sie sich an den Sammlungsleiter des Lautarchivs, Dr. Christopher Li.

Drei historische Schellackplatten finden ihren Weg zurück aus der Nasjionalbiblioteket Oslo ins Berliner Lautarchiv

Besonders bedeutsam: Die drei Platten galten bis dato in Berlin als Verlust; es existierten bislang auch keine Digitalisate. In Oslo wurden Digitalisate angefertigt und ebenfalls dem Lautarchiv übermittelt. Die Schellackplatten waren von dem Begründer des Lautarchivs Wilhelm Doegen (1877–1967) oder von dem Göttinger Iranist Friedrich Carl Andreas (1846–1930) an den norwegischen Indo-Iranist Georg Morgenstierne (1892–1978) verliehen worden. Über den Nachlass Morgenstierne gelangten sie in die norwegische Nasjionalbiblioteket.

Auf den Platten befinden sich die Stimmen von Ábdil Kadír Khan, Beidullah Khan und Shahdad Khan (Afghanisch und Belutschi).

Die Platten wurden mit offizieller Genehmigung des norwegischen Ministeriums und einer schriftlichen Erklärung der Nasjionalbibliotekek nach Berlin gebracht.

Das Lautarchiv bedankt sich insbesondere bei Johanne Ostad, Bente Granrud und Włodek Witek von der Osloer Nasjionalbiblioteket.

Irene Hilden: Absent Presences in the Colonial Archive. Dealing with the Berlin Sound Archive’s Acoustic Legacies

Irene Hildens Dissertation über das Berliner Lautarchiv ist bei Leuven University Press in englischer Sprache erschienen.

Die Arbeit fokussiert Tonaufnahmen, die unter kolonialen Bedingungen produziert wurden. Sie untersucht Klangobjekte und Hörpraktiken, die “absent presences” kolonialer Subjekte aufzeigen, denen in den etablierten nationalen Erzählungen und kollektiven Erinnerungen wenig oder gar kein Platz eingeräumt wird.

Irene Hilden ist Postdoktorandin am Centre for Anthropological Research on Museums and Heritage (CARMAH) der Humboldt-Universität zu Berlin.

Auch im Open Access als Ebook verfügbar.