Im Rahmen der Förderung „Lernen und Lehren mit der Gesellschaft: Transdisziplinäres Kursprogramm“ erkunden Lehrende und Studierende, wie Lernen in und mit der Gesellschaft gestaltet werden kann.
In Kooperation mit Künstler:innen, Kultureinrichtungen und zivilgesellschaftlichen Initiativen integrieren die geförderten Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2026 Erfahrung und Wissen aus der Gesellschaft, darunter künstlerische Archiv- und Sammlungsarbeit, ortsspezifisches Wissen und diskriminierungskritische Diskurse. Sie erproben eine künstlerische Auseinandersetzung mit Themen wie Kultur, Gesundheit oder Umweltbelastung in Berlin, und nutzen bewegungsbasierte Methoden der Wissensverarbeitung in der politischen Theorie und in sozialen Bewegungen.
1. “The Fifth Wall – Navina Sundaram. Arbeiten mit einem digitalen und materiellen Archiv“
Prof. Dr. Nadja-Christina Schneider (Institut für Asien- und Afrikawissenschaften)
Das Seminar verbindet die Arbeit mit dem Online-Archiv „Die Fünfte Wand – Navina Sundaram“, das journalistische, filmische und persönliche Materialien zu Migration, Feminismus, Dekolonisierung und Medienkritik versammelt, und die praktische Auseinandersetzung mit Originalmaterialien im Objektlabor am ZfK. Archive werden als Orte gesellschaftlicher Wissensproduktion vertiefend reflektiert. In Kooperation mit Akteur*innen aus Bildungsarbeit, künstlerischer Film- und Archivpraxis sowie sechs öffentlichen Veranstaltungen werden außeruniversitäre Perspektiven eingebunden.
2. Theaterpraxis: Living Archives
Dr. Constanze Baum (Institut für deutsche Literatur)
In diesem Kurs am Theaterhaus Mitte und im Objektlabor am ZfK sollen als „Living Archives“ Objekte, Texte und ihre Geschichte(n) aus HU-Archiven und Sammlungen mit einem Literaturbezug zum Leben erweckt werden. Anhand von Übungen und Methoden des Darstellenden Spiels und des Improvisationstheaters werden Ausdrucksmöglichkeiten von Stimme, Körper, Gestik und Mimik erkundet und kleinere Einzel- und Gruppenszenen erarbeitet. Recherche, Entwicklung und Verschriftlichung einer solchen „Objektszenierung“ sowie eine Pop-Up-Aufführung ausgewählter Szenen bei der Langen Nacht der Wissenschaften sind Teil des Kurses.
3. Haltung zeigen als Lehrkraft? Zum Umgang mit Demokratiefeindlichkeit und Extremismus in Schule und Unterricht
Dr. Julia Frohn (Professional School of Education, PSE)
In Zusammenarbeit mit dem Verein “Aufstehen gegen Rassismus” behandelt das Seminar die Rolle von Lehrkräften im Umgang mit Demokratiefeindlichkeit und Extremismus. Es reflektiert, was es bedeutet, als Lehrkraft „Haltung zu zeigen“ und welche Handlungsspielräume für Lehrkräfte in Schule und Unterricht bestehen. Die begleitende Übung untersucht politische Mobilisierung auf TikTok mit Fokus auf Memes als Träger extremistischer Inhalte. Studierende analysieren deren Wirkung und entwickeln eigene demokratiefördernde Memes zur Demokratie- und Medienbildung.
4. Diskriminierungskritische Filmbildung zwischen Schule, Kino, Gesellschaft
Charlotte Wiesner (Institut für Erziehungswissenschaften, Deutschunterricht und seine Didaktik in der Primarstufe)
In dem filmdidaktischen Seminar für angehende Grundschullehrkräfte wird gemeinsam mit Studierenden in einem offenen Austausch mit Praxisakteur*Innen aus der Gesellschaft darüber nachgedacht, wie eine diskriminierungskritische Filmbildung im Klassenzimmer gestaltet werden kann. Das Seminar verfolgt dabei einen forschenden und partizipativen Ansatz. Hierfür werden Akteur*Innen aus der BIPOC-Community sowie aus der Film- und Kinolandschaft (z. B. Kinemathek, Vision Kino – Netzwerk für Film- und Medienkompetenz, Kinos, Filmschaffende) in das Seminar eingebunden.
5. Berlin.Kultur.Stadt.
Prof. Dr. Friederike Landau-Donnelly (Geographisches Institut, Kultur- und Sozialgeographie)
Ziel der Veranstaltung “Berlin.Kultur.Stadt.“ ist die Vermittlung von interdisziplinären Perspektiven auf die ‚Kreative‘ Stadt Berlin. Mithilfe von studentisch erarbeiteten Mappings verschiedener kultureller Infrastrukturen in Berlin und in Kooperation mit der zivilgesellschaftlichen Partnerin Kulturraum gGmbH, die das “Kulturkataster” ins Leben gerufen hat, erforschen die Studierenden kultur- und stadtentwicklungspolitische Bedeutung Berlins als Kulturstadt. In einer Abschlussausstellung geben die Studierenden im Rahmen transdisziplinärer Wissensvermittlung Einblicke in die raumbezogene Erforschung von Kulturorten.
6. Gesundheit und Kunst in Berlin: Institutionen, kollektive Praktiken und künstlerische Strategien
Maria Morata (Berlin Perspectives)
Wie hinterfragen zeitgenössische künstlerische Praktiken die Dichotomie von Gesundheit und Krankheit? Im Kontext von Disability Studies und Crip Theory untersucht der Kurs künstlerische Erfahrungen von Krankheit und Vulnerabilität als Ausgangspunkt für soziale Transformation und als emanzipatorische Strategien in einer normativen und ableistischen Gesellschaft. Der Kurs bringt Perspektiven von Berliner Künstler*Innen, Kurator*innen und Wissenschaftler*innen zusammen und beinhaltet Besuche im Berliner Medizinhistorischen Museum und im Tieranatomischen Theater der Humboldt-Universität.
„Embodied Futures. Wissen und Bewegung“
Im Rahmen eines neuenPublic Engagement Hubs am ZfK „Embodied Futures. Wissen und Bewegung“ werden Lehrveranstaltungen unterstützt, die kreative Bewegungsansätze als Forschungsmethode, Lehrmedium und Vermittlungsformat erproben und wissenschaftlich-künstlerisch-praktisches Forschen als partizipative Form der Wissensproduktion verstehen.
7. Hazardous Hope. Streifzüge durch das Kontaminierte Berlin
Dr. Léa Perraudin (Institut für Kulturwissenschaft, Exzellenzcluster Matters of Activity)
„Hazardous hope“ – so nennen Ayushi Dhawan und Simone M. Müller (2024) eine Praxis, die inmitten der Realität permanent kontaminierter Umgebungen neue Formen des Zusammenlebens erprobt, statt auf Reinheit oder Erlösung zu hoffen. Wir begeben uns auf Streifzüge durch das kontaminierte Berlin, um die Stoffpolitiken der hazardous hope über verkörperte und spekulative Methoden und im Austausch mit zivilgesellschaftlichen Akteur*innen, Community-Initiativen und Künstler*innen zu verhandeln.
8. Soziale Medien und soziale Bewegungen
Prof. Dr. Shintaro Miyazaki (Institut für Musikwissenschaft)
Soziale Medien informieren nicht nur über die globale politische und gesellschaftliche Lage, sondern prägen zugleich den Alltag vieler Mitbürger*innen und tragen Maßgeblich zur Polarisierung bei. Die Vorlesung untersucht aus medienwissenschaftlicher Perspektive, wie diese Dynamiken entstehen und welche Rolle soziale Medien für nachhaltige soziale Bewegungen spielen können. Gemeinsam mit der Choreographin Irina Demina wird ein experimenteller Ansatz erprobt, der role-playing activities (Resnick & Wilensky) durch choreografische und körperbasierte Methoden erweitert, um soziale Dynamiken und Polarisierungsprozesse erfahrungsbasiert zu untersuchen.
9. Körper, Geschlecht, Öffentlichkeit. Einführung in Iris Marion Youngs feministische politische Theorie
Dr. Jeanette Ehrmann (Institut für Sozialwissenschaften, Arbeits- und Lehrbereich Theorie der Politik)
In diesem Seminar erschließen wir Iris Marion Youngs feministische politische Theorie anhand ihrer Essays zu weiblicher Körpererfahrung. Wir erkunden, wie Ungleichheit und Unterdrückung auf Körper wirken und verknüpfen dies mit intersektionalen Positionen zu Ableismus, Klassismus und Rassismus sowie zu trans* und nicht-binären Geschlechteridentitäten. Das Seminar findet in Zusammenarbeit mit einer Künstlerin im Rahmen des Hubs „Embodied Futures: Wissen und Bewegung“ statt und verbindet Körperwissen, Bewegung und theoretische Reflexion.




