Objekt des Monats 03/2026
Ein besonders großer Bestand der Kunstsammlung umfasst Berlin-Ansichten und Darstellungen der Universitätsgebäude zu unterschiedlichen Zeiten. Mit Johann Stridbeck d. J. Zeichnungen Die Stadt Berlin im Jahre 1690 datieren die ältesten Berlin-Veduten Ende des 17. Jahrhunderts, vor allem aber stammen sie aus dem 18. Jahrhundert – erst mit der Vereinigung von Berlin und Cölln zur Residenzstadt 1709 erhielt die Stadt im Laufe des Jahrhunderts mit vielen repräsentativen Bauten ihr prächtiges Aussehen, das nun in vielen Reiseberichten, Briefen und literarischen wie bildlichen Darstellungen im In- und Ausland Interesse fand.
Der Veduten-, Bühnen- und Dekorationsmaler Johann Georg Rosenberg (1738-1808), in Paris und an verschiedenen deutschen Höfen tätig, nutzte diese Konjunktur. Er schuf zwischen 1773 und 1785 eine Reihe von 21 Radierungen bühnenmäßig inszenierter Prospekte von Berliner Straßen, Palästen, Kirchen und Plätzen. 20 handkolorierte Radierungen (plus Titelblatt) im Folio-Format erschienen 1786 im Verlag Johann Marino & Co. unter dem Titel Receuil des Prospects les plus beaux et les plus intéressants de Berlin. Der große Erfolg dieser Publikation führte zu verschiedenen weiteren Fassungen, die in Größe, Druckqualität und Farbigkeit stark voneinander abweichen. Besonders qualitätvolle Blätter besitzt das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin. Diese wurden 1995 in einer Faksimile-Ausgabe reproduziert, zusammen mit einer ausführlichen zeitgenössischen Beschreibung der baulichen, kulturellen, sozialen und ökonomischen Verhältnisse Berlins von Friedrich Nicolai, einem Berliner Schriftsteller und Verleger (Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, aller daselbst befindlichen Merkwürdigkeiten und der umliegenden Gegend, Berlin 1786).
Von den zwanzig Blättern dieser Reproduktionen, die sich in der Kunstsammlung befinden, sind hier zwei herausgegriffen, die u. a. den Palast des Prinzen Heinrich (das spätere Hauptgebäude der Universität) und die Königliche Bibliothek (die „Kommode“) zeigen.
Der Palast des Prinzen Heinrich wird in der Darstellung auf Blatt II (1780) als zweites Gebäude rechts hinter dem Zeughaus am Anfang der Prachtstraße Unter den Linden gezeigt.
Er ist durch die zwei Flügel um den Vorhof gut zu erkennen. Gegenüber sieht man die Oper und das heute so genannte Alte Palais – zum Zeitpunkt der Darstellung wurde dieser Bau von Luise Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel (1722-1780) bewohnt, der Witwe des Prinzen August Wilhelm von Preußen, dem ältesten Bruder des regierenden Königs Friedrich II. Dass dieser bereits in die städtische Topographie mit der architektonischen Umstrukturierung zugunsten des Forum Fridericianum eingegriffen hatte, wird allerdings nur indirekt deutlich: Der an das Palais angebauten Königlichen Bibliothek, die auf Blatt XI (1782) prominent den Blick auf den Platz nach rechts hin abschließt, fielen Garten und Rückgebäude zum Opfer.
Da Rosenberg das Blatt Friedrich II. widmete, wird das Gebäude an der Ecke zu Unter den Linden angeschnitten und das Ensemble um Bibliothek, Oper und Hedwigskirche mit seiner Anmutung als Forum in Szene gesetzt.
Mit ihrer Genauigkeit in der Wiedergabe architektonischer Details und topographischer Anlagen, dokumentieren die Radierungen Rosenbergs nicht nur das historische Berlin Ende des 18. Jahrhunderts, sondern erlauben auch einen vergleichenden Blick auf Gebäude, die wir trotz der Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs zumindest partiell noch heute bewundern können.
Autorin: Christina Kuhli