Archiv der Kategorie: Theorie und Praxis des interdisziplinären Kuratierens

Ringvorlesung „Beziehungsweise Familie“ – am 6. Mai 2026 mit Luise Merkert und Anna Hepting

Irrgärten und Auswege. Familienbilder im Kino

Luise Merkert und Anna Hepting (Ludwig-Maximilians-Universität München)

Mediale Darstellungen prägen unsere Vorstellungen von Familie maßgeblich mit. Sie geben Ideale, sowie Normen und Werte in Bezug auf Familie weiter, hinterfragen und kritisieren diese aber auch. Der Vortrag blickt auf zeitgenössische filmische Familienbilder im internationalen Arthouse Kino und erkundet die Art und Weise, wie Familie dargestellt und ausgehandelt wird. Ein besonderer Fokus gilt dabei religiösen Verweisen, die in der Inszenierung von Familie relevant werden. Der Film nimmt Bezug auf religiöse Traditionen und Weltbilder, um familiales Leben darzustellen: Es werden Hochzeiten und Taufen gefeiert, auf Beerdigungen wird um ein geliebtes Familienmitglied getrauert. Die filmische Familie wird außerdem zum Ort der Weitergabe religiösen Wissens oder aber Schauplatz für religiöse Konflikte. Die Auswahl der Filme bietet einen Einblick in diese vielfältigen Verflechtungen zwischen Film, Familie und Religion.

Filme:

BROKER (Hirokazo Kore-eda, JP 2022)

C’È ANCORA DOMANI (Morgen ist auch noch ein Tag, Paola Cortellesi, IT 2023)

JENSEITS VON SCHULD (Katharina Köstner/Katrin Nemec, DE 2024)

MA VIE DE COURGETTE (Mein Leben als Zucchini, Claude Barras, CH/FR 2016)

Der Vortrag findet in deutscher Sprache statt.

Die Teilnahme ist ohne Voranmeldung möglich und steht allen Interessierten frei.

Veranstalterinnen:

Prof. Dr. Daniel Tyradellis (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Alia Rayyan (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Laura Goldenbaum (Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss)

Ort und Zeit:

6. Mai 2026,

18 bis 20 Uhr

im Saal 3, EG, Humboldt Forum, Schlossplatz.

Weitere Informationen

Luise Merkert
Anna Hepting

Anna Hepting und Luise Merkert sind Doktorandinnen und wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Lehrstuhl für Religionswissenschaft und Religionsgeschichte der Evangelisch-Theologischen Fakultät an der LMU München. Gemeinsam mit Prof. Dr. Daria Pezzoli-Olgiati sind sie Teil des Forschungsverbundes ForFamily, in dem sie im Teilprojekt „Die Familie im Film. Medien als Aushandlungsort von familialen Narrativen, Werten und Transformationen“ forschen. Ihre Dissertationen beschäftigen sich mit der Aushandlung von Familie in Disneys Animationsfilm sowie dem zeitgenössischen Horrorfilm.

HU_Siegel-Kombi
humboldtforum_logo

Ringvorlesung „Beziehungsweise Familie“ – am 18. März 2026 mit Dr. Lotte Warnsholdt

Kulturtechniken des Schweigens als Formen der Sorge 

Dr. Lotte Warnsholdt

Der Vortrag nimmt mit Bezug auf Literatur des 20. Jahrhunderts verschiedene Kulturtechniken des Schweigens in den Blick und untersucht sie hinsichtlich ihrer Formen der (Selbst-)Sorge. Selbstbestimmtes, souveränes Schweigen wahrt Geheimnisse und bietet geschützte Räume für die Ausbildung neuer Haltungen. Nur ist nicht jedes Schweigen selbstbestimmt, nicht jedes Schweigen souverän. Neben dem souveränen Schweigen stehen Formen des Schweigens, die Selbstleugnung oder einen Abbruch der Kommunikation bedeuten. Beispielsweise schreibt die Autorin Audre Lorde von dem Begehren, die eigene Angst im richtigen Verhältnis zu sehen und Schweigen in Sprache übersetzen zu können. Dabei spricht Lorde nicht über ein Leben ohne Angst, sondern von einem Verhältnis zur Angst, das abhängig von den Weisen des Schweigens ist. Es hieße, Schweigen nicht in Tyrannei, in die Katastrophe, übergehen zu lassen, sondern ein Maß zwischen Reden und Schweigen zu finden, in dem Schweigen auch als »mode of resistance to power« (Wendy Brown, 2005) wirken kann.

Der Vortrag findet in deutscher Sprache statt.

Die Teilnahme ist ohne Voranmeldung möglich und steht allen Interessierten frei.

Veranstalterinnen:

Prof. Dr. Daniel Tyradellis (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Alia Rayyan (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Laura Goldenbaum (Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss)

Ort und Zeit:

18. März 2026,

18 bis 20 Uhr

im Saal 3, EG, Humboldt Forum, Schlossplatz.

Weitere Informationen

Lotte Warnsholdt
Lotte Warnsholdt, © Paul Schimweg

Lotte Warnsholdt ist Kultur- und Medienwissenschaftlerin in Hamburg. Sie studierte Europäische Ethnologie in Kopenhagen, Philosophie und Rechtswissenschaft in Hamburg und schloss ihren Master sowie ihre Promotion in Kultur- und Medienwissenschaften an der Leuphana Universität Lüneburg ab. Sie arbeitet am Museum am Rothenbaum, Kulturen und Künste der Welt und ist dort u.a. Co-Kuratorin der Sonderausstellung KATZEN! (Laufzeit 2025-2026). Schwerpunkte sind Sorgeformen und -praktiken in Institutionen des Wissens. Sie schreibt zur Materialität und Gewalt der Archive, die in situ als auch digital begriffen werden. In ihrem Buch Im Schatten des Schweigens (transcript 2024) untersucht sie die Bedeutung von Schweigen und Geheimhaltung für soziale und historische Prozesse.

HU_Siegel-Kombi
humboldtforum_logo

Ringvorlesung „Beziehungsweise Familie“ – am 18. Februar 2026 mit Prof. Dr. Annette Schad-Seifert

Aktuelle Forschung zu zeitgenössischen Familienformen und alternativen Verwandtschaftskonzepten im Dialog.

Singles unter Druck – „Solo Weddings“ als Glücksgeheimnis in Japan

Prof. Dr. Annette Schad-Seifert (Professorin für Modernes Japan an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)

Lebenslanges Single-Dasein ist eine soziale Erfahrung, die immer mehr Menschen in Japan betrifft.

In den letzten Jahren haben sogenannte Solo Weddings in Japan mediale und wissenschaftliche Aufmerksamkeit erfahren. Darunter werden inszenierte Hochzeitszeremonien verstanden, bei denen Single-Frauen ohne Partner eine Hochzeit mit professioneller Kleidung, Fotografie und rituellen Elementen durchführen. Der Vortrag untersucht Solo Weddings als kulturelles Phänomen an der Schnittstelle von individueller Glückssuche, Konsumkultur und sich wandelnden Ehe- und Geschlechternormen in der japanischen Gesellschaft.

Solo Weddings sind nur ein Phänomen von vielfältigen Solo-Aktivitäten in Japans Konsumkultur, die in den letzten Jahren entstanden sind. Der Vortrag geht der Frage nach, wie diese Aktivitäten einzuordnen sind in einer Gesellschaft, die traditionell der Gruppe eine hohe Priorität einräumt.

Auf Grundlage quantitativer Daten, Medienanalysen und Fallbeispielen wird gezeigt, dass Solo Weddings weniger als Ausdruck von sozialer Isolation zu verstehen sind, sondern vielmehr als ambivalente Praxis der Selbstvergewisserung in einer Gesellschaft, in der traditionelle Familiennormen zunehmend verschwinden.

Der Vortrag findet in deutscher Sprache statt.

Die Teilnahme ist ohne Voranmeldung möglich und steht allen Interessierten frei.

Veranstalterinnen:

Prof. Dr. Daniel Tyradellis (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Alia Rayyan (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Laura Goldenbaum (Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss)

Ort und Zeit:

18. Februar 2026,

18 bis 20 Uhr

im Saal 3, EG, Humboldt Forum, Schlossplatz.

Weitere Informationen

Portrait Prof. Schad-Seifert

Annette Schad-Seifert ist seit 2006 Universitätsprofessorin am Institut für Modernes Japan der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sie hat Japanologie und Religionswissenschaft an der Freien Universität Berlin, sowie Philosophie und politische Ideengeschichte an der Keio-Universität Tokyo studiert. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören Familienpolitik, Single-Gesellschaft, Genderverhältnisse, demografischer Wandel und neue Formen der sozialen Differenzierung. Sie war als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FU Berlin, der Universität Leipzig und am Deutschen Institut für Japanstudien in Tokyo tätig. Im Jahr 2018 war sie Specially Appointed Professor an der Ochanomizu-Universität in Tokyo. Sie ist Herausgeberin (mit Uta Meier-Gräwe und Miyoko Motozawa) des Buches Family Life in Japan and Germany (Springer Verlag 2019).

HU_Siegel-Kombi
humboldtforum_logo

Ringvorlesung „Beziehungsweise Familie“ – am 11. Februar 2026 mit Dr. Michael Slepian

Having and Keeping Secrets (Dt.: Haben und Bewahren von Geheimnissen)

Dr. Michael Slepian (Associate Professor an der Columbia Business School)

Geheimnisse gelten oft als Belastung – für Beziehungen ebenso wie für das persönliche Wohlbefinden. Häufig wird angenommen, dass vor allem das aktive Verbergen anstrengend und schädlich ist. Aktuelle psychologische Forschung zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild. Zahlreiche Studien mit Tausenden von Teilnehmenden zeigen: Nicht das Verheimlichen selbst ist meist das Problem, sondern das gedankliche Kreisen um ein Geheimnis. Wenn Geheimnisse immer wieder in unsere Gedanken eindringen und wir mit ihnen allein bleiben, ohne Austausch und neue Perspektiven, kann dies mit geringerer Beziehungsqualität und einem verminderten Gefühl von Authentizität einhergehen. Gleichzeitig können Geheimnisse auch positive Effekte haben – vorausgesetzt, sie werden bewusst und aus den richtigen Gründen bewahrt. Geheimnisse, die im Auftrag oder zum Schutz eines Kollektivs getragen werden, können Sinn und Bedeutung vermitteln. Das Teilen von Geheimnissen – ebenso wie das Anvertrautwerden – stärkt oft Nähe und Intimität. Und positive Geheimnisse können Autonomie, Lebendigkeit und persönliches Wachstum fördern. Der Vortrag beleuchtet die vielschichtige Psychologie von Geheimnissen: Wann sie belasten, wann sie stärken und wie Menschen lernen können, konstruktiv mit ihnen umzugehen – nicht nur, um sie auszuhalten, sondern um an ihnen zu wachsen.

Der Vortrag findet in englischer Sprache statt.

Die Teilnahme ist ohne Voranmeldung möglich und steht allen Interessierten frei.

Veranstalterinnen:

Prof. Dr. Daniel Tyradellis (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Alia Rayyan (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Laura Goldenbaum (Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss)

Ort und Zeit:

11. Februar 2026,

18 bis 20 Uhr

im Saal 3, EG, Humboldt Forum, Schlossplatz.

Weitere Informationen

Michael Slepian

Michael Slepian ist Associate Professor an der Columbia Business School und Autor von The Secret Life of Secrets. Als führender Experte für die Psychologie von Geheimnissen untersucht seine Forschung, wie das Bewahren von Geheimnissen Vertrauen, Beziehungen und Wohlbefinden im sozialen und organisatorischen Leben beeinflusst. Er hat mehr als fünfzig wissenschaftliche Artikel über Geheimhaltung, Wahrheit und Täuschung veröffentlicht, und seine Arbeit wurde in der New York Times, The Atlantic, The New Yorker, The Economist, The Wall Street Journal, der BBC und NPR vorgestellt. Slepian promovierte an der Tufts University, war Gastwissenschaftler an der Stanford University, erhielt den Rising Star Award der Association for Psychological Science und ist gewähltes Mitglied der Society of Experimental Social Psychology.

HU_Siegel-Kombi
humboldtforum_logo

Erinnerung, Identität, Weitergabe: Ein künstlerisches Diorama im Humboldt Forum

Wie wird persönliches Erleben zu kollektivem Wissen? Und welche Spuren hinterlassen familiäre Biografien in unserer Identität?

Diesen Fragen widmete sich ein zehnwöchiger gesellschaftlicher Workshop im Rahmen des Clusters „Beziehungsweise Familie“ am Humboldt Forum. Als kollaboratives Projekt, das künstlerische, therapeutische und wissenschaftliche Perspektiven miteinander verband, wurde Wissen nicht als fertiger Lehrinhalt vermittelt. Vielmehr entstand es als gemeinschaftlicher Prozess, in dem die Teilnehmerinnen als ebenbürtige Wissende und aktiv Mitgestaltende in eine transversale Wissensproduktion eingebunden waren. Ausgangspunkt bildeten persönliche Erinnerungen, Erinnerungsobjekte und alltägliche Rituale als Träger von Wissen, das häufig über Generationen hinweg weitergegeben wird.

Aus dieser intensiven Zusammenarbeit sind ein künstlerisches Diorama sowie eine Audioarbeit entstanden, die Erinnerungsobjekte zum Sprechen bringen. Gemeinsam machen sie die komplexen Verflechtungen zwischen individuellem Trauma, transgenerationalen Erzählungen und dem Einfluss politischer Kontexte auf persönliche Lebenswege sichtbar. Zugleich laden sie dazu ein, das Zusammenspiel von Identität und Herkunft neu zu betrachten.

Mit Florian Hermes, Honorata Nawrocki, Marisol Ozomatli Malinalli, Leila G., Franziska Pierwoss, Diana Krämer, Alia Rayyan.

Das Ergebnis ist vom 24. Januar bis 12. Juli 2026 im „Wohnzimmer“ des Humboldt Forums, dem Sonderausstellungsfoyer im Erdgeschoss, zu erleben.

Interessierte sind herzlich eingeladen, die Ausstellung zu besuchen und einen Einblick in diese besondere Form der Wissensarbeit zu gewinnen.

Besuchende vor dem Diorama
© Alia Rayyan 2026

Ringvorlesung „Beziehungsweise Familie“ – am 21. Januar 2026 mit Prof. Dr. Carola Lentz

Ahnentafeln, Familiengeheimnisse und eine neugierige Ethnologin in Westafrika

Prof. Dr. Carola Lentz 

(Johannes Gutenburg-Universität Mainz, Institut für Ethnologie und Afrikastudien (ifeas), Mainz)

Vor fast vier Jahrzehnten wurde Carola Lentz in eine ghanaische Großfamilie aufgenommen. Wie in vielen afrikanischen Familien haben sich hier Bildungswege und Berufskarrieren, Wohnorte und Lebensstile im Lauf der Zeit weit auseinanderentwickelt. Umso wichtiger für den Zusammenhalt der Großfamilie werden die Erinnerung an gemeinsame Ahnen und regelmäßige Besuche im Ursprungsdorf. Dabei hat die jüngere, schulgebildete Generation andere Ansprüche an eine gute Familiengeschichte als ihre bäuerlichen Verwandten auf dem Land. Die erinnerte Familienvergangenheit ist darum umstritten, und einiges wird von manchen als „Geheimnis“ markiert. Neu sind auch die Erinnerungspraktiken und ihre Medien. Gedenkgottesdienste treten an die Stelle von Ahnenopfern. Gezeichnete Stammbäume, Ahnentafeln und Fotoalben ergänzen die mündlichen Erzählungen. Der Vortrag erkundet diese Veränderungen und die Konflikte, die damit einhergehen. Familiengeschichte, so ein Fazit, kann nicht nur vereinen, sondern auch spalten.

Der Vortrag findet in deutscher Sprache statt.

Die Teilnahme ist ohne Voranmeldung möglich und steht allen Interessierten frei.

Veranstalterinnen:

Prof. Dr. Daniel Tyradellis (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Alia Rayyan (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Laura Goldenbaum (Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss)

Ort und Zeit:

21. Januar 2026,

18 bis 20 Uhr

im Saal 3, EG, Humboldt Forum, Schlossplatz.

Weitere Informationen

Carola Lentz

Carola Lentz ist Ethnologin und Seniorforschungsprofessorin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Migration, Ethnizität und Nationalismus, Kolonialismus und Dekolonisierung, staatliche und familiäre Erinnerungspolitik sowie Bildungsbiografien und Mittelklassen in postkolonialen Gesellschaften.

Sie studierte Soziologie, Politikwissenschaft, Germanistik und Pädagogik in Göttingen und Berlin, promovierte 1987 an der Leibniz Universität Hannover und habilitierte sich 1996 an der Freien Universität Berlin. Ihre akademische Laufbahn führte sie über Professuren in Frankfurt und Mainz, wo sie das Institut für Ethnologie und Afrikastudien maßgeblich prägte. Von 2020 bis 2024 war sie Präsidentin des Goethe-Instituts und setzte sich für kulturellen Austausch und internationale Verständigung ein. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf sozialer Zugehörigkeit, Mobilität und Erinnerungskultur in Westafrika. Für ihr Buch Land, Mobility and Belonging in West Africa erhielt sie 2014 den Melville J. Herskovits Prize.

Sie ist Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

HU_Siegel-Kombi
humboldtforum_logo

Neuerscheinung: „Mutter Museum“ von Werner Hamacher

Soeben ist das von Daniel Tyradellis herausgegebene Buch von Werner Hamacher: „Mutter Museum“ erschienen. 

»Über das Museum lässt sich immer nur auf der Schwelle zu ihm reden.«

Werner Hamachers Vortrag »Ausstellungen der Mutter. Gang durch verschiedene Museen« ist ein Schlüsseltext zum Verständnis des Museums als abendländischer Institution: Es wird lesbar als Ort der materialisierten Trauer über den Verlust einer Referenz, die es nie gegeben hat. Von der deutschen Rezeption nach seinem Erscheinen im Jahr 1995 nahezu unkommentiert, stieß der Text in Frankreich auf ein zustimmendes wie kritisches Echo durch Philippe Lacoue-Labarthe und Jacques Derrida. Hamacher plante daraufhin eine erweiterte Ausgabe, die auf diese Kritik reagiert und weit über sie hinausgeht. Insbesondere seine Auseinandersetzung mit Raffaels »Sixtinische Madonna« und Artauds »La Maladresse sexuelle de dieu« weist den Weg zu einer irrelationalen Markierung, die der Rückhaltlosigkeit von Werk und Museum in ihrem Wechselspiel eine neuartige und Grund legende Kraft verleiht.

Bestellbar über den Buchhandel oder direkt bei diaphanes.

Softcover, 256 Seiten, diaphanes Verlag, Zürich 2025, 35,- €. 

Titelbild Mutter Museum
Rückseite Buch Mutter Museum

Ausstellungseröffnung „Beziehungsweise Familie“ am Humboldt Forum

Vater, Mutter, Kind? Überraschende Perspektiven auf das traditionelle Familienmodell in Vergangenheit und Gegenwart.

Familie: (Fast) jeder Mensch hat eine und jede ist doch anders! Aber was hält uns als Familie zusammen? Und wer hat sich das eigentlich ausgedacht? Mit einem Jahresprogramm erkundet das Humboldt Forum den Stoff, aus dem familiäre Bande gewebt sind. Ob löchrig oder engmaschig, am seidenen Faden, Patchwork oder Makramee: Beziehungsgeflechte sind das Thema – künstlerisch, historisch, wissenschaftlich, international und im Dialog mit der Berliner Stadtgesellschaft.

Erfahren Sie, was und wen Familie und Verwandtschaft alles umfassen kann und wie unterschiedlich das Miteinander gelebt wird. Alle Akteure des Humboldt Forums widmen sich gemeinsam dem Thema familiärer Beziehungsgeflechte der Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft in unterschiedlichen Formaten wie Ausstellungen, Performances, Diskussionen, Workshops, Führungen und Interventionen im ganzen Haus.

Ausstellungen und Interventionen

Die Besonderheit der Ausstellung ist, dass sie durch alle Ausstellungsräume und Sammlungen im Humboldt Forum führt. Den Einstieg in das Thema bieten zehn teils interaktive Treffpunkte in der Station Beziehungsweise(n) Familie im Erdgeschoss – von der eigenen Familienaufstellung über eine Virtual-Reality-Tischgemeinschaft bis hin zu persönlichen Erzählungen über Kosenamen; von globaler Familiengeschichte, Konflikten und Kompromissen bis zum persönlichen Schlüsselmoment. Hinterfragen und erweitern Sie Ihre Vorstellung und Ihr Verständnis von Familie. Lassen Sie Ihre Familienerfahrung an dieser Begegnung teilhaben!

Mehr als 40 ausgewählte Objekte im Ethnologischen Museum und Museum für Asiatische Kunst, aus dem historischen Berliner Schloss, im Humboldt Labor und in BERLIN GLOBAL sowie zusätzlich im Museum Knoblauchhaus werden Teil des Jahresprogramms. Sie zeigen, wie sehr Machtverhältnisse familiäre Biografien prägen. Und auch, wie persönliche Familiengeschichten am Ursprung großer Herrschaftsgeschichten oder Religionen stehen können.

Temporäre Ausstellungen widmen sich dem Erhalt bedrohter Sprachen aus aller Welt und der transgenerationellen Übertragung von Wissen. Und sie präsentieren zeitgenössische Positionen internationaler Künstler*innen, die auf die Familienrealität queerer und migrantischer Erfahrungen verweisen.

Veranstaltungen

Zahlreiche Veranstaltungen für Erwachsene und Kinder bieten neue Zugänge zu diesem Thema: Die Transkontinentale bringt dieses Jahr Familiengeschichten aus Afrika, Südamerika und Asien nach Berlin und ebenso das namibisch-deutsche Musiktheater People of Song, welches seine Europa-Premiere hat. Besonders bunt wird es Ende Oktober, wenn das Familienfest Dia de Muertos zum zweiten Mal im Humboldt Forum gefeiert wird. Dies als Ausblick, doch auch zur Eröffnung gibt es viel Programm: bei den ersten Thementagen im Oktober.

Care oder Chaos? Thementage 3.-5. Oktober 2025

An drei Thementagen im Anschluss an die Eröffnung der Ausstellung rückt das Humboldt Forum zentrale Fragen von Care, Pflege und familiären Beziehungen in den Mittelpunkt. Kleine Gesten, große Wirkung – in künstlerischen Interventionen, Performances, Lesungen und Gesprächen wird Familie neu gedacht: beim Workshop In the Dreamhouse, bei tänzerischen Interventionen in der Dauerausstellung, einem Kuchenbüfett mit heilenden Blumen und bei African Street Games für die ganze Familie. Mit dabei sind die Autorin und Musikerin Christiane Rösinger, das Resident Music Collective, die feministische Autorin Sophie Lewis, der Film Im Prinzip Familie von Regisseur Daniel Abma und viele mehr.

In den Werkräumen gibt es Drop-ins zum Mitmachen, Basteln und Erkunden und das Bilderbuchkino bringt eindrückliche Geschichten auf die Leinwand, gelesen von bekannten Stimmen mit musikalischer Begleitung.

Zwei weitere Thementage sind 2026 geplant: „Familiengeheimnisse“ und „Zusammen gegen Widerstände: alternative Formen des Zusammenlebens“.

Die Ausstellung eröffnet am 2. Oktober, 18 Uhr – die Teilnahme an der Eröffnung ist frei. 

Programm zur Eröffnung:

18:00

Begrüßung:

Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt Forums
Julia von Blumenthal, Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin
Sophie Plagemann, Künstlerische Direktorin und Vorstand der Stiftung Stadtmuseum Berlin
Lars-Christian Koch, Direktor des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin

Grußwort:

Konrad Schmidt-Werthern, Amtschef bei dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

Inhaltliche Einführung:

Laura Goldenbaum, Solvej Helweg-Ovesen, Grit Keller, Alia Rayyan, Maria Sobotka, uw.

19:00

Kurzführungen zu den Ausstellungsinterventionen

19:30

Gesprächsrunden im Foyer

20:30

Musikset des Resident Music Collective aus ihrem neuen Programm Klangverwandtschaften

21:00

DJ-Set: Stella Zekri

Das Programm und die Ausstellung Beziehungsweise Familie (3.Oktober 2025 – 12. Juli 2026) wurden gemeinsam von allen Akteuren des Humboldt Forums kuratiert: Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, Ethnologisches Museum und Museum für Asiatische Kunst (Stiftung Preußischer Kulturbesitz / Staatliche Museen zu Berlin), Stiftung Stadtmuseum Berlin und Humboldt-Universität zu Berlin. Gesamtkuratorische Leitung: Dr. Laura Goldenbaum (SHF).

Ort: Alle Etagen im Humboldt Forum und im Stadtmuseum/Museum Knoblauchhaus 

Laufzeit: Fr., 3. Oktober 2025 – So., 12. Juli 2026

Öffnungszeiten: Mo, Mi, Do, Fr, Sa, So: 10:30 – 18:30 Uhr; Di: geschlossen

Neue Ticketpreise ab 3.10.2025, weitere Informationen unter Eintritt & Tickets

Am Themenwochenende vom 3. bis 5. Oktober 2025 gilt ermäßigter Eintritt.

Bildnachweis: Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, Foto: Getty Images, The Image Bank, Karan Kapoor

Ringvorlesung „Beziehungsweise Familie“ – am 02. Juli 2025 mit Erdmute Alber

Am 2. Juli 2025 um 18:00 findet der nächste Termin der Ringvorlesung „Beziehungsweise Familie“ statt:

Anthropologische Perspektiven auf Elternschaft
mit Erdmute Alber (Universität Bayreuth)

Der Vortrag findet in deutscher Sprache statt.

Die Teilnahme ist ohne Voranmeldung möglich und steht allen Interessierten frei.

Veranstalterinnen:

Prof. Dr. Daniel Tyradellis (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Alia Rayyan (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Laura Goldenbaum (Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss)

Ort und Zeit:

02. Juli 2025,

18 bis 20 Uhr

im Saal 3, EG, Humboldt Forum, Schlossplatz.

Weitere Informationen

„In meinem Vortrag möchte ich zeigen, dass das Thema Elternschaft in der Sozialanthropologie ein unterschätztes Thema ist. Dabei nehme ich Sie mit auf eine Reise durch Ansätze aus der Sozialanthropologie zum Thema. Eine Perspektive auf Elternschaft erlaubt es, grundlegend darüber nachzudenken, wie sich Gesellschaften reproduzieren, Zukunft organisieren und wie sowohl gesellschaftlich wie auch in konkreten Familien Ansprüche, Güter und Zugehörigkeiten intergenerationell weitergegeben werden. Ich beginne mit der Beschreibung eines Gesprächs, in dem mir ein junger Mann aus Westafrika einige seiner Zukunftspläne darlegt, und zeige auf, dass das Thema Elternschaft das ganze Gespräch durchwirkt. Auf dieser Basis komme ich zu verschiedenen Ansätzen und, darauf aufbauend, zu einer Definitionen von Elternschaft, die über das Kleinfamilienmodell hinausgeht und den Staat als Aktor mit einbezieht. Des weiteren setze ich mich mit Elternschaftsvorstellnugen auseinander, die vom westlichen Modell abweichen.“

Erdmute Alber

Erdmute Alber, Professorin an der Universität Bayreuth, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Kindheit, Jugend, intergenerationellen Beziehungen, und den Überschneidungen zwischen Politik und Verwandtschaft. Sie hat sich intensiv mit dem Phänomen der Kindspflegschaft in West Afrika beschäftigt, also der Tatsache, dass Kinder in manchen Regionen nicht bei ihren leiblichen Eltern, sondern bei anderen aufwachsen. In ihren Publikationen lotet sie die Arten und Weisen aus, wie politische Prozesse Verwandtschaft machen, und umgekehrt, wie verwandtschaftliche Veränderungen gesellschaftlichen Wandel und politische Prozesse beeinflussen. Ihre Forschungen führten sie in verschiedene Länder auf dem afrikanischen Kontinent, wie in den lateinamerikanischen Andenraum. Erdmute Alber hat umfangreich publiziert, auf Deutsch erschien unter anderem das Buch „soziale Elternschaft im Wandel“ 2010 im Dietrich Reimer Verlag, dort ebenso das Buch „Verwandtschaft heute“.

HU_Siegel-Kombi
humboldtforum_logo

Ringvorlesung „Beziehungsweise Familie“ – am 28. Mai 2025 mit Aparecida Vilaça

Am 28. Mail 2025 um 18:00 findet der nächste Termin der Ringvorlesung „Beziehungsweise Familie“ statt:

Becoming kin: the making of kinship in Indigenous Amazonia
Prof. Dr. Aparecida Vilaca (Programa de Pós-Graduação em Antropologia Social Museu Nacional, São Paulo)

In diesem Vortrag möchte Prof. Dr. Aparecida Vilaca auf der Grundlage ihrer persönlichen Erfahrungen, die sie in ihrem Buch Paletó and Me. Memories of my Indigenous Father (Stanford 2021) beschrieben sind, erörtern, wie die indigenen Völker des Amazonasgebietes Verwandtschaft nicht als etwas betrachten, das durch biologische Beziehungen gegeben ist, sondern das durch Handlungen der Fürsorge und Anerkennung auf Dauer hergestellt werden muss.

Der Vortrag findet in englischer Sprache statt.

Die Teilnahme ist ohne Voranmeldung möglich und steht allen Interessierten frei.

Veranstalterinnen:

Prof. Dr. Daniel Tyradellis (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Alia Rayyan (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Laura Goldenbaum (Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss)

Ort und Zeit:

28. Mai 2025,

18 bis 20 Uhr

im Saal 3, EG, Humboldt Forum, Schlossplatz.

Weitere Informationen

Plakat Ringvorlesung Beziehungsweise Familie
Portrait Aparecida Vilaça

Aparecida Vilaça ist außerordentliche Professorin am Graduiertenprogramm für Sozialanthropologie/MuseuNacional/Universidade Federal do Rio de Janeiro und Forscherin für den Nationalen Wissenschaftsforschungsrat (CNPq). Seit 1986 arbeitet sie unter den Wari‘-Indianern im südwestlichen Amazonasgebiet, Brasilien. Ihre Feldforschung wurde von der Ford Foundation, der Wenner-Gren Foundation for Anthropological Research und der John Simon Guggenheim Foundation finanziert. Sie war 1999 Professeur Invité an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris, 2000 Directeur d’Études Invité an der École Pratique des Hautes Études in derselben Stadt, 2001 Gastprofessorin am Centre of Latin American Studies der Universität Cambridge (UK) und 2004 Gastwissenschaftlerin an der Abteilung für Sozialanthropologie derselben Universität.

HU_Siegel-Kombi
humboldtforum_logo