Archiv der Kategorie: Aktuelles

Veranstaltungsreihe zum Archiv “The Fifth Wall – Navina Sundaram”

In Kooperation mit Akteur*innen aus Bildungsarbeit, künstlerischer Film- und Archivpraxis reflektiert das Seminar “The Fifth Wall – Navina Sundaram. Arbeiten mit einem digitalen und materiellen Archiv“ von Prof. Dr. Nadja-Christina Schneider theoretische und methodologische Zugänge zu Archiven. Ausgangspunkt ist das Archiv „The Fifth Wall – Navina Sundaram“, das journalistische, filmische und persönliche Materialien unter anderem zu Migration, Feminismus, Dekolonisierung und Medienkritik versammelt.

Die öffentliche Veranstaltungsreihe, moderiert von Prof. Dr. Nadja-Christina Schneider, bietet im Sommersemester 2026 Einblicke in das Online-Archiv, in die Arbeit mit ausgewählten Originalmaterialien und in Diskurse um Archive als Orte gesellschaftlicher Wissensproduktion:

 

Archivische Praxis zwischen Online-Archiv und Sammlung: “Die Fünfte Wand – Navina Sundaram”

29.04.2026, 16:00 Uhr, ZfK Objektlabor

Präsentation und Gespräch mit Merle Kröger, Krimi-Schriftstellerin, Drehbuchautorin, Filmemacherin, Künstlerin und Produzentin. Zusammen mit Mareike Bernien und in enger Abstimmung mit Navina Sundaram hat sie das Online-Archiv “Die fünfte Wand” konzipiert und umgesetzt.

 

Kuratiertes Erinnern im digitalen Raum: Konzept, Ansatz und Realisierung des Online-Archivs „Die Fünfte Wand – Navina Sundaram“

06.05.2026, 16:00 Uhr, ZfK Objektlabor

Präsentation und Gespräch mit Mareike Bernien, Künstlerin, Filmemacherin und Dozentin. In Ihrer Arbeit konzentriert sie sich auf Erinnerungspolitik, Medienarchäologie und kritische Archivierungspraktiken. Zusammen mit Merle Kröger und in enger Abstimmung mit Navina Sundaram hat sie das Online-Archiv “Die fünfte Wand” konzipiert und umgesetzt.

 

Von “Die fünfte Wand” zu “WHO CARED”. Sichtbarkeit schaffen durch digitale Archive

20.05.2026, 16:00 Uhr, ZfK Objektlabor

Präsentation und Gespräch mit Urmila Goel, Kulturanthropologin und Vertretungsprofessorin für Europäische Ethnologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit den späten 1990ern forscht sie zur Migration aus Indien nach Deutschland. Die digitalen Archive “Die fünfte Wand” und “WHO CARED” schaffen Sichtbarkeit für unterschiedliche Migrationsbewegungen aus Indien in die BRD in den 1960er/70er/80ern.

 

Sehen, Einordnen, Weiterdenken: Bildungsarbeit zu Medienpraxis, Geschichte und Gegenöffentlichkeit im Navina Sundaram-Archiv

03.06.2026, 16:00 Uhr, ZfK Objektlabor

Interaktiver Workshop mit Rubaica Jaliwala, freiberufliche Lektorin und Übersetzerin von literarischen, künstlerischen und kulturellen Texten und Büchern. Sie lebt in Mumbai und Berlin. Als Trainerin und Bildungsberaterin hat sie auf vier Kontinenten Workshops zu den Themen interkulturelles Lernen und Vielfalt, Antirassismus und Gender geleitet.

 

Archive befragen: Studentische Forschungsprojekte im Kontext des Navina Sundaram-Archivs und darüber hinaus

10.06.2026, 16:00 Uhr, ZfK Objektlabor

Kurzpräsentationen und Gespräch mit HU-Studierenden über bereits abgeschlossene bzw. laufenden Forschungsprojekte, die aus der Auseinandersetzung mit dem Navina Sundaram-Archiv entstanden sind.

 

Über die Medienarbeit hinaus: Zur Bedeutung von Navina Sundarams Dokumentarfilmen

01.07.2026, 16:00 Uhr, ZfK Objektlabor

Präsentation und Diskussion mit Nadja-Christina Schneider, Professorin für Gesellschaften und Kulturen Südasiens an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie forscht und lehrt unter anderem zu den Bereichen Gender, Medien und Stadt.

 

Foto: Franziska Blume

Lernen und Lehren mit der Gesellschaft im Sommersemester 2026

Im Rahmen der Förderung „Lernen und Lehren mit der Gesellschaft: Transdisziplinäres Kursprogramm“ erkunden Lehrende und Studierende, wie  Lernen in und mit der Gesellschaft gestaltet werden kann.

In Kooperation mit Künstler:innen, Kultureinrichtungen und zivilgesellschaftlichen Initiativen integrieren die geförderten Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2026 Erfahrung und Wissen aus der Gesellschaft, darunter künstlerische Archiv- und Sammlungsarbeit, ortsspezifisches Wissen und diskriminierungskritische Diskurse. Sie erproben eine künstlerische Auseinandersetzung mit Themen wie Kultur, Gesundheit oder Umweltbelastung in Berlin, und nutzen bewegungsbasierte Methoden der Wissensverarbeitung in der politischen Theorie und in sozialen Bewegungen.

 

1. “The Fifth Wall – Navina Sundaram. Arbeiten mit einem digitalen und materiellen Archiv“

Prof. Dr. Nadja-Christina Schneider (Institut für Asien- und Afrikawissenschaften)

Das Seminar verbindet die Arbeit mit dem Online-Archiv „Die Fünfte Wand – Navina Sundaram“, das journalistische, filmische und persönliche Materialien zu Migration, Feminismus, Dekolonisierung und Medienkritik versammelt, und die praktische Auseinandersetzung mit Originalmaterialien im Objektlabor am ZfK. Archive werden als Orte gesellschaftlicher Wissensproduktion vertiefend reflektiert. In Kooperation mit Akteur*innen aus Bildungsarbeit, künstlerischer Film- und Archivpraxis sowie sechs öffentlichen Veranstaltungen werden außeruniversitäre Perspektiven eingebunden.

 

2. Theaterpraxis: Living Archives

Dr. Constanze Baum (Institut für deutsche Literatur)

In diesem Kurs am Theaterhaus Mitte und im Objektlabor am ZfK sollen als „Living Archives“ Objekte, Texte und ihre Geschichte(n) aus HU-Archiven und Sammlungen mit einem Literaturbezug zum Leben erweckt werden. Anhand von Übungen und Methoden des Darstellenden Spiels und des Improvisationstheaters werden Ausdrucksmöglichkeiten von Stimme, Körper, Gestik und Mimik erkundet und kleinere Einzel- und Gruppenszenen erarbeitet. Recherche, Entwicklung und Verschriftlichung einer solchen „Objektszenierung“ sowie eine Pop-Up-Aufführung ausgewählter Szenen bei der Langen Nacht der Wissenschaften sind Teil des Kurses.

 

3. Haltung zeigen als Lehrkraft? Zum Umgang mit Demokratiefeindlichkeit und Extremismus in Schule und Unterricht

Dr. Julia Frohn (Professional School of Education, PSE)

In Zusammenarbeit mit dem Verein “Aufstehen gegen Rassismus” behandelt das Seminar die Rolle von Lehrkräften im Umgang mit Demokratiefeindlichkeit und Extremismus. Es reflektiert, was es bedeutet, als Lehrkraft „Haltung zu zeigen“ und welche Handlungsspielräume für Lehrkräfte in Schule und Unterricht bestehen. Die begleitende Übung untersucht politische Mobilisierung auf TikTok mit Fokus auf Memes als Träger extremistischer Inhalte. Studierende analysieren deren Wirkung und entwickeln eigene demokratiefördernde Memes zur Demokratie- und Medienbildung.

 

4. Diskriminierungskritische Filmbildung zwischen Schule, Kino, Gesellschaft

Charlotte Wiesner (Institut für Erziehungswissenschaften, Deutschunterricht und seine Didaktik in der Primarstufe)

In dem filmdidaktischen Seminar für angehende Grundschullehrkräfte wird gemeinsam mit Studierenden in einem offenen Austausch mit Praxisakteur*Innen aus der Gesellschaft darüber nachgedacht, wie eine diskriminierungskritische Filmbildung im Klassenzimmer gestaltet werden kann. Das Seminar verfolgt dabei einen forschenden und partizipativen Ansatz. Hierfür werden Akteur*Innen aus der BIPOC-Community sowie aus der Film- und Kinolandschaft (z. B. Kinemathek, Vision Kino – Netzwerk für Film- und Medienkompetenz, Kinos, Filmschaffende) in das Seminar eingebunden.

 

5. Berlin.Kultur.Stadt.

Prof. Dr. Friederike Landau-Donnelly (Geographisches Institut, Kultur- und Sozialgeographie)

Ziel der Veranstaltung “Berlin.Kultur.Stadt.“ ist die Vermittlung von interdisziplinären Perspektiven auf die ‚Kreative‘ Stadt Berlin. Mithilfe von studentisch erarbeiteten Mappings verschiedener kultureller Infrastrukturen in Berlin und in Kooperation mit der zivilgesellschaftlichen Partnerin Kulturraum gGmbH, die das “Kulturkataster” ins Leben gerufen hat, erforschen die Studierenden kultur- und stadtentwicklungspolitische Bedeutung Berlins als Kulturstadt. In einer Abschlussausstellung geben die Studierenden im Rahmen transdisziplinärer Wissensvermittlung Einblicke in die raumbezogene Erforschung von Kulturorten.

 

6. Gesundheit und Kunst in Berlin: Institutionen, kollektive Praktiken und künstlerische Strategien

Maria Morata (Berlin Perspectives)

Wie hinterfragen zeitgenössische künstlerische Praktiken die Dichotomie von Gesundheit und Krankheit? Im Kontext von Disability Studies und Crip Theory untersucht der Kurs künstlerische Erfahrungen von Krankheit und Vulnerabilität als Ausgangspunkt für soziale Transformation und als emanzipatorische Strategien in einer normativen und ableistischen Gesellschaft. Der Kurs bringt Perspektiven von  Berliner Künstler*Innen, Kurator*innen und Wissenschaftler*innen zusammen und beinhaltet  Besuche im Berliner Medizinhistorischen Museum und im Tieranatomischen Theater der Humboldt-Universität.

 

„Embodied Futures. Wissen und Bewegung“

Im Rahmen eines neuenPublic Engagement Hubs am ZfK „Embodied Futures. Wissen und Bewegung“ werden Lehrveranstaltungen unterstützt, die kreative Bewegungsansätze als Forschungsmethode, Lehrmedium und Vermittlungsformat erproben und wissenschaftlich-künstlerisch-praktisches Forschen als partizipative Form der Wissensproduktion verstehen.

7. Hazardous Hope. Streifzüge durch das Kontaminierte Berlin

Dr. Léa Perraudin (Institut für Kulturwissenschaft, Exzellenzcluster Matters of Activity)

„Hazardous hope“ – so nennen Ayushi Dhawan und Simone M. Müller (2024) eine Praxis, die inmitten der Realität permanent kontaminierter Umgebungen neue Formen des Zusammenlebens erprobt, statt auf Reinheit oder Erlösung zu hoffen. Wir begeben uns auf Streifzüge durch das kontaminierte Berlin, um die Stoffpolitiken der hazardous hope über verkörperte und spekulative Methoden und im Austausch mit zivilgesellschaftlichen Akteur*innen, Community-Initiativen und Künstler*innen zu verhandeln.

 

8. Soziale Medien und soziale Bewegungen

Prof. Dr. Shintaro Miyazaki (Institut für Musikwissenschaft)

Soziale Medien informieren nicht nur über die globale politische und gesellschaftliche Lage, sondern prägen zugleich den Alltag vieler Mitbürger*innen und tragen Maßgeblich zur Polarisierung bei. Die Vorlesung untersucht aus medienwissenschaftlicher Perspektive, wie diese Dynamiken entstehen und welche Rolle soziale Medien für nachhaltige soziale Bewegungen spielen können. Gemeinsam mit der Choreographin Irina Demina wird ein experimenteller Ansatz erprobt, der role-playing activities (Resnick & Wilensky) durch choreografische und körperbasierte Methoden erweitert, um soziale Dynamiken und Polarisierungsprozesse erfahrungsbasiert zu untersuchen.

 

9. Körper, Geschlecht, Öffentlichkeit. Einführung in Iris Marion Youngs feministische politische Theorie

Dr. Jeanette Ehrmann (Institut für Sozialwissenschaften, Arbeits- und Lehrbereich Theorie der Politik)

In diesem Seminar erschließen wir Iris Marion Youngs feministische politische Theorie anhand ihrer Essays zu weiblicher Körpererfahrung. Wir erkunden, wie Ungleichheit und Unterdrückung auf Körper wirken und verknüpfen dies mit intersektionalen Positionen zu Ableismus, Klassismus und Rassismus sowie zu trans* und nicht-binären Geschlechteridentitäten. Das Seminar findet in Zusammenarbeit mit einer Künstlerin im Rahmen des Hubs „Embodied Futures: Wissen und Bewegung“ statt und verbindet Körperwissen, Bewegung und theoretische Reflexion.

 

Ringvorlesung „Beziehungsweise Familie“ – am 18. März 2026 mit Dr. Lotte Warnsholdt

Kulturtechniken des Schweigens als Formen der Sorge 

Dr. Lotte Warnsholdt

Der Vortrag nimmt mit Bezug auf Literatur des 20. Jahrhunderts verschiedene Kulturtechniken des Schweigens in den Blick und untersucht sie hinsichtlich ihrer Formen der (Selbst-)Sorge. Selbstbestimmtes, souveränes Schweigen wahrt Geheimnisse und bietet geschützte Räume für die Ausbildung neuer Haltungen. Nur ist nicht jedes Schweigen selbstbestimmt, nicht jedes Schweigen souverän. Neben dem souveränen Schweigen stehen Formen des Schweigens, die Selbstleugnung oder einen Abbruch der Kommunikation bedeuten. Beispielsweise schreibt die Autorin Audre Lorde von dem Begehren, die eigene Angst im richtigen Verhältnis zu sehen und Schweigen in Sprache übersetzen zu können. Dabei spricht Lorde nicht über ein Leben ohne Angst, sondern von einem Verhältnis zur Angst, das abhängig von den Weisen des Schweigens ist. Es hieße, Schweigen nicht in Tyrannei, in die Katastrophe, übergehen zu lassen, sondern ein Maß zwischen Reden und Schweigen zu finden, in dem Schweigen auch als »mode of resistance to power« (Wendy Brown, 2005) wirken kann.

Der Vortrag findet in deutscher Sprache statt.

Die Teilnahme ist ohne Voranmeldung möglich und steht allen Interessierten frei.

Veranstalterinnen:

Prof. Dr. Daniel Tyradellis (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Alia Rayyan (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Laura Goldenbaum (Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss)

Ort und Zeit:

18. März 2026,

18 bis 20 Uhr

im Saal 3, EG, Humboldt Forum, Schlossplatz.

Weitere Informationen

Lotte Warnsholdt
Lotte Warnsholdt, © Paul Schimweg

Lotte Warnsholdt ist Kultur- und Medienwissenschaftlerin in Hamburg. Sie studierte Europäische Ethnologie in Kopenhagen, Philosophie und Rechtswissenschaft in Hamburg und schloss ihren Master sowie ihre Promotion in Kultur- und Medienwissenschaften an der Leuphana Universität Lüneburg ab. Sie arbeitet am Museum am Rothenbaum, Kulturen und Künste der Welt und ist dort u.a. Co-Kuratorin der Sonderausstellung KATZEN! (Laufzeit 2025-2026). Schwerpunkte sind Sorgeformen und -praktiken in Institutionen des Wissens. Sie schreibt zur Materialität und Gewalt der Archive, die in situ als auch digital begriffen werden. In ihrem Buch Im Schatten des Schweigens (transcript 2024) untersucht sie die Bedeutung von Schweigen und Geheimhaltung für soziale und historische Prozesse.

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Objekt des Monats: Spurensuche – Die Berliner Stiche

Objekt des Monats 03/2026

Ein besonders großer Bestand der Kunstsammlung umfasst Berlin-Ansichten und Darstellungen der Universitätsgebäude zu unterschiedlichen Zeiten. Mit Johann Stridbeck d. J. Zeichnungen Die Stadt Berlin im Jahre 1690 datieren die ältesten Berlin-Veduten Ende des 17. Jahrhunderts, vor allem aber stammen sie aus dem 18. Jahrhundert – erst mit der Vereinigung von Berlin und Cölln zur Residenzstadt 1709 erhielt die Stadt im Laufe des Jahrhunderts mit vielen repräsentativen Bauten ihr prächtiges Aussehen, das nun in vielen Reiseberichten, Briefen und literarischen wie bildlichen Darstellungen im In- und Ausland Interesse fand.

Der Veduten-, Bühnen- und Dekorationsmaler Johann Georg Rosenberg (1738-1808), in Paris und an verschiedenen deutschen Höfen tätig, nutzte diese Konjunktur. Er schuf zwischen 1773 und 1785 eine Reihe von 21 Radierungen bühnenmäßig inszenierter Prospekte von Berliner Straßen, Palästen, Kirchen und Plätzen. 20 handkolorierte Radierungen (plus Titelblatt) im Folio-Format erschienen 1786 im Verlag Johann Marino & Co. unter dem Titel Receuil des Prospects les plus beaux et les plus intéressants de Berlin. Der große Erfolg dieser Publikation führte zu verschiedenen weiteren Fassungen, die in Größe, Druckqualität und Farbigkeit stark voneinander abweichen. Besonders qualitätvolle Blätter besitzt das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin. Diese wurden 1995 in einer Faksimile-Ausgabe reproduziert, zusammen mit einer ausführlichen zeitgenössischen Beschreibung der baulichen, kulturellen, sozialen und ökonomischen Verhältnisse Berlins von Friedrich Nicolai, einem Berliner Schriftsteller und Verleger (Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, aller daselbst befindlichen Merkwürdigkeiten und der umliegenden Gegend, Berlin 1786).

Von den zwanzig Blättern dieser Reproduktionen, die sich in der Kunstsammlung befinden, sind hier zwei herausgegriffen, die u. a. den Palast des Prinzen Heinrich (das spätere Hauptgebäude der Universität) und die Königliche Bibliothek (die „Kommode“) zeigen.

Der Palast des Prinzen Heinrich wird in der Darstellung auf Blatt II (1780) als zweites Gebäude rechts hinter dem Zeughaus am Anfang der Prachtstraße Unter den Linden gezeigt.

Reproduktion einer alten Radierung aus dem 18. Jh., auf der Gebäude an der Straße Unter den Linden zu sehen sind.
Unter den Linden mit Zeughaus, Palais des Prinzen Heinrich und Opernhaus, 1780

Er ist durch die zwei Flügel um den Vorhof gut zu erkennen. Gegenüber sieht man die Oper und das heute so genannte Alte Palais – zum Zeitpunkt der Darstellung wurde dieser Bau von Luise Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel (1722-1780) bewohnt, der Witwe des Prinzen August Wilhelm von Preußen, dem ältesten Bruder des regierenden Königs Friedrich II. Dass dieser bereits in die städtische Topographie mit der architektonischen Umstrukturierung zugunsten des Forum Fridericianum eingegriffen hatte, wird allerdings nur indirekt deutlich: Der an das Palais angebauten Königlichen Bibliothek, die auf Blatt XI (1782) prominent den Blick auf den Platz nach rechts hin abschließt, fielen Garten und Rückgebäude zum Opfer.

Reproduktion einer alten Radierung aus dem 18. Jh., auf der der Berliner Opernplatz und andere Gebäude zu sehen sind.
Der Opernplatz mit der Königlichen Bibliothek und der katholischen St. Hedwigs-Kirche, 1782

Da Rosenberg das Blatt Friedrich II. widmete, wird das Gebäude an der Ecke zu Unter den Linden angeschnitten und das Ensemble um Bibliothek, Oper und Hedwigskirche mit seiner Anmutung als Forum in Szene gesetzt.

Mit ihrer Genauigkeit in der Wiedergabe architektonischer Details und topographischer Anlagen, dokumentieren die Radierungen Rosenbergs nicht nur das historische Berlin Ende des 18. Jahrhunderts, sondern erlauben auch einen vergleichenden Blick auf Gebäude, die wir trotz der Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs zumindest partiell noch heute bewundern können.

Autorin: Christina Kuhli

Besuch aus Lund am Zentrum für Kulturtechnik und im Humboldt Labor

Am Freitag, den 13. Februar 2026, begrüßten wir Kolleginnen der Lund University im Gerlachbau und im Humboldt Labor. Nachdem unsere Gäste auf der Suche nach dem richtigen Eingang bereits einen ersten Eindruck vom Campus gewinnen konnten, starteten wir gegen 9:15 Uhr mit dem fachlichen Austausch im Objektlabor.

Sammlungen in Forschung, Lehre und Transfer

Im Mittelpunkt standen die Universitätssammlungen – ihre Administration, Vernetzung und insbesondere ihr Einsatz in der Lehre. Sarah Elena Link stellte die Koordinierungsstelle vor, Nina El Laban Devauton und Martin Stricker präsentierten das Projekt „Teaching with Objects“, und Oliver Zauzig berichtete über seine Arbeit als zentraler Sammlungskoordinator der HU.

Die Kolleginnen aus Lund gaben Einblicke in aktuelle Entwicklungen an ihrer Universität, insbesondere in Bezug auf Forschung, Lehre und den Transfer in die Gesellschaft. Dabei wurden zahlreiche Gemeinsamkeiten, aber auch strukturelle Unterschiede deutlich. Besonders sichtbar wurde, dass wir mit der Koordinierungsstelle und dem umfangreichen Sammlungsnetzwerk in Deutschland ein viel beachtetes Modell etabliert haben, das auch international auf Interesse stößt.

Austausch im Netzwerk

Da großes Interesse an der Berlin University Alliance und dem Berliner Sammlungsnetzwerk bestand, besichtigten wir u.a. vor der Mittagspause die anatomische Sammlung der Charité – derzeit die einzige frei zugängliche Sammlung auf dem Campus Nord.

Am Nachmittag folgte der Besuch der Ausstellung „On Water. WasserWissen in Berlin“ im Humboldt Labor. Anna-Lisa Dieter führte durch die Ausstellung, anschließend diskutierten wir im Seminarraum gemeinsam weiter; auch Sharon Macdonald nahm daran teil. Unsere Gäste zeigten sich beeindruckt von den Möglichkeiten, die sich der HU mit dem Humboldt Labor eröffnen.

Nachhaltige Impulse

Der Besuch unterstrich, dass die HU mit ihren Sammlungen und Bühnen Maßstäbe setzt – zugleich wurde deutlich, dass hierfür verlässliche Ressourcen notwendig sind. Alle Beteiligten nahmen wertvolle Impulse für die eigene Arbeit mit. Der Austausch soll fortgesetzt werden, denn auch die HU profitiert von der weiteren Stärkung des europäischen Netzwerks.

Teilnehmende aus Lund:
Sara Virkelyst (zentrale Ansprechpartnerin für Museen und Archive), Charlotta Sokulski Bateld (Koordinatorin Kulturforum für Kunst und Wissenschaft), Louice Cardell Hepp (Kommunikation Kulturforum), Frida Stenmark (Museumskoordinator am Museum für künstlerische Prozesse und öffentliche Kunst) sowie Anki Wallengren (Prorektorin für Kultur und pädagogische Entwicklung).

Von Seiten des ZfK:
Sarah Elena Link, Nina El Laban Devauton, Martin Stricker, Anna-Lisa Dieter, Sharon Macdonald und Oliver Zauzig.

Dank an Xenia Muth und Eileen Klingner für die Unterstützung.

Ringvorlesung „Beziehungsweise Familie“ – am 18. Februar 2026 mit Prof. Dr. Annette Schad-Seifert

Aktuelle Forschung zu zeitgenössischen Familienformen und alternativen Verwandtschaftskonzepten im Dialog.

Singles unter Druck – „Solo Weddings“ als Glücksgeheimnis in Japan

Prof. Dr. Annette Schad-Seifert (Professorin für Modernes Japan an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)

Lebenslanges Single-Dasein ist eine soziale Erfahrung, die immer mehr Menschen in Japan betrifft.

In den letzten Jahren haben sogenannte Solo Weddings in Japan mediale und wissenschaftliche Aufmerksamkeit erfahren. Darunter werden inszenierte Hochzeitszeremonien verstanden, bei denen Single-Frauen ohne Partner eine Hochzeit mit professioneller Kleidung, Fotografie und rituellen Elementen durchführen. Der Vortrag untersucht Solo Weddings als kulturelles Phänomen an der Schnittstelle von individueller Glückssuche, Konsumkultur und sich wandelnden Ehe- und Geschlechternormen in der japanischen Gesellschaft.

Solo Weddings sind nur ein Phänomen von vielfältigen Solo-Aktivitäten in Japans Konsumkultur, die in den letzten Jahren entstanden sind. Der Vortrag geht der Frage nach, wie diese Aktivitäten einzuordnen sind in einer Gesellschaft, die traditionell der Gruppe eine hohe Priorität einräumt.

Auf Grundlage quantitativer Daten, Medienanalysen und Fallbeispielen wird gezeigt, dass Solo Weddings weniger als Ausdruck von sozialer Isolation zu verstehen sind, sondern vielmehr als ambivalente Praxis der Selbstvergewisserung in einer Gesellschaft, in der traditionelle Familiennormen zunehmend verschwinden.

Der Vortrag findet in deutscher Sprache statt.

Die Teilnahme ist ohne Voranmeldung möglich und steht allen Interessierten frei.

Veranstalterinnen:

Prof. Dr. Daniel Tyradellis (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Alia Rayyan (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Laura Goldenbaum (Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss)

Ort und Zeit:

18. Februar 2026,

18 bis 20 Uhr

im Saal 3, EG, Humboldt Forum, Schlossplatz.

Weitere Informationen

Portrait Prof. Schad-Seifert

Annette Schad-Seifert ist seit 2006 Universitätsprofessorin am Institut für Modernes Japan der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sie hat Japanologie und Religionswissenschaft an der Freien Universität Berlin, sowie Philosophie und politische Ideengeschichte an der Keio-Universität Tokyo studiert. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören Familienpolitik, Single-Gesellschaft, Genderverhältnisse, demografischer Wandel und neue Formen der sozialen Differenzierung. Sie war als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FU Berlin, der Universität Leipzig und am Deutschen Institut für Japanstudien in Tokyo tätig. Im Jahr 2018 war sie Specially Appointed Professor an der Ochanomizu-Universität in Tokyo. Sie ist Herausgeberin (mit Uta Meier-Gräwe und Miyoko Motozawa) des Buches Family Life in Japan and Germany (Springer Verlag 2019).

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Objekt des Monats: Wirtschaft als Wissenschaft – die Amtskette der Handelshochschule Berlin, 1910

Objekt des Monats 02/2026

Die silberne, vergoldete Amtskette kündet mit dem Porträt Kaiser Wilhelms II. in Uniform mit Preußischem Adlerhelm im Profil nach rechts auf der Vorderseite des Medaillons, von wem sie verliehen wurde. Die Inschrift im Mittelfeld der Rückseite gibt zudem das Datum an: „Wilhelm II. Kaiser und König der Handelshochschule Berlin verliehen 1910“.

Foto einer zweigliedrigen Metallkette, an der ein Medaillon mit dem Profilbildnis Kaiser Wilhelms II. hängt
Amtskette der Handelshochschule Berlin, Silber vergoldet, 1910
Foto der Rückseite eines Medaillons mit Text im Mittelfeld
Amtskette der Handelshochschule Berlin, Silber vergoldet, 1910, Medaillon Revers

Die im Jahr 1906 gegründete Handelshochschule, “von Kaufleuten begründet und für Kaufleute bestimmt” (so im Bericht über die Eröffnung am 27. Oktober 1906), stellte mit ihrem betriebswirtschaftlichen Schwerpunkt ein Gegengewicht zum bereits seit 1886 bestehenden Staatswissenschaftlich-statistischen Seminar der Friedrich-Wilhelms-Universität dar (ab 1936 Institut für Wirtschaftswissenschaften), das innerhalb der Philosophischen Fakultät volkswirtschaftlich orientiert lehrte und forschte.

1920 löste sich die Korporation der Kaufmannschaft auf und die Handelskammer zu Berlin übernahm die Verwaltung der Handelshochschule, die in den folgenden Jahren auch das Promotionsrecht erhielt. Als Anstalt des öffentlichen Rechts unterstand sie zudem dem preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe. 1935 wurde sie in Wirtschafts-Hochschule umbenannt und an die Universität angegliedert. 1946 wurde sie mit dem Aufbau der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, die ihren Sitz wie die ehemalige Handelshochschule in der Spandauer Straße unmittelbar neben der Berliner Börse hatte, in die Universität integriert.
Im Gegensatz zu Amtsketten der traditionellen Fakultäten, die sich an der Berliner Universität nicht nachweisen lassen, besitzt die Humboldt-Universität mit der Amtskette der ehemaligen Handelshochschule einen durch die institutionellen Veränderungen dazu gewordenen Fakultäts- bzw. Dekansschmuck.

Während Zepter als wichtigste Insignie von Universitäten seit dem Mittelalter überliefert sind – sie waren Zeichen der richterlichen Gewalt des Rektors und damit der Autonomie der Universität –, waren Amtsketten bis ins 18. Jahrhundert unüblich. Vereinzelt wurden den Universitäten sog. Gnadenpfennige vom Herrscher bzw. der Herrscherin verliehen als Zeichen besonderer Privilegien. Diese zeigten alle das Porträt des entsprechenden Staatsoberhauptes. Zumeist wurden sie allerdings als Schmuck beurteilt und nicht als Ehrenzeichen. Das änderte sich vor allem im 19. Jahrhundert mit einem insgesamt gewandelten Erscheinungsbild der Universitäten. Dennoch blieb (zumindest in Preußen und Bayern) weiterhin der König derjenige, der über die Einführung von Amtsketten entschied. So erinnert also an die Berliner Handelshochschule das Profilbildnis Wilhelms II.

 

Autorin: Christina Kuhli

Literatur:

Günter Stemmler: Rektorketten – Grundzüge ihrer Geschichte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, in: Jahrbuch für Universitätsgeschichte 7, 2004, S. 241-248;
Frank Zschaler: Vom Heilig-Geist-Spital zur Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. 110 Jahre Staatswissenschaftlich-Statistisches Seminar der vormals königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität. 90 Jahre Handels-Hochschule Berlin, Heidelberg u.a. 1997;
Ein Halbjahrhundert betriebswirtschaftliches Hochschulstudium. Festschrift zum 50. Gründungstag der Handels-Hochschule Berlin, Berlin 1956.

Ringvorlesung „Beziehungsweise Familie“ – am 11. Februar 2026 mit Dr. Michael Slepian

Having and Keeping Secrets (Dt.: Haben und Bewahren von Geheimnissen)

Dr. Michael Slepian (Associate Professor an der Columbia Business School)

Geheimnisse gelten oft als Belastung – für Beziehungen ebenso wie für das persönliche Wohlbefinden. Häufig wird angenommen, dass vor allem das aktive Verbergen anstrengend und schädlich ist. Aktuelle psychologische Forschung zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild. Zahlreiche Studien mit Tausenden von Teilnehmenden zeigen: Nicht das Verheimlichen selbst ist meist das Problem, sondern das gedankliche Kreisen um ein Geheimnis. Wenn Geheimnisse immer wieder in unsere Gedanken eindringen und wir mit ihnen allein bleiben, ohne Austausch und neue Perspektiven, kann dies mit geringerer Beziehungsqualität und einem verminderten Gefühl von Authentizität einhergehen. Gleichzeitig können Geheimnisse auch positive Effekte haben – vorausgesetzt, sie werden bewusst und aus den richtigen Gründen bewahrt. Geheimnisse, die im Auftrag oder zum Schutz eines Kollektivs getragen werden, können Sinn und Bedeutung vermitteln. Das Teilen von Geheimnissen – ebenso wie das Anvertrautwerden – stärkt oft Nähe und Intimität. Und positive Geheimnisse können Autonomie, Lebendigkeit und persönliches Wachstum fördern. Der Vortrag beleuchtet die vielschichtige Psychologie von Geheimnissen: Wann sie belasten, wann sie stärken und wie Menschen lernen können, konstruktiv mit ihnen umzugehen – nicht nur, um sie auszuhalten, sondern um an ihnen zu wachsen.

Der Vortrag findet in englischer Sprache statt.

Die Teilnahme ist ohne Voranmeldung möglich und steht allen Interessierten frei.

Veranstalterinnen:

Prof. Dr. Daniel Tyradellis (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Alia Rayyan (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Laura Goldenbaum (Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss)

Ort und Zeit:

11. Februar 2026,

18 bis 20 Uhr

im Saal 3, EG, Humboldt Forum, Schlossplatz.

Weitere Informationen

Michael Slepian

Michael Slepian ist Associate Professor an der Columbia Business School und Autor von The Secret Life of Secrets. Als führender Experte für die Psychologie von Geheimnissen untersucht seine Forschung, wie das Bewahren von Geheimnissen Vertrauen, Beziehungen und Wohlbefinden im sozialen und organisatorischen Leben beeinflusst. Er hat mehr als fünfzig wissenschaftliche Artikel über Geheimhaltung, Wahrheit und Täuschung veröffentlicht, und seine Arbeit wurde in der New York Times, The Atlantic, The New Yorker, The Economist, The Wall Street Journal, der BBC und NPR vorgestellt. Slepian promovierte an der Tufts University, war Gastwissenschaftler an der Stanford University, erhielt den Rising Star Award der Association for Psychological Science und ist gewähltes Mitglied der Society of Experimental Social Psychology.

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Paula Doepfner, “Out in front of a dozen dead oceans”

Ausstellung im Objektlabor

Auf den ersten Blick abstrakt, wie Nebelschleier oder feines Geäst wirken die Zeichnungen von Paula Doepfner. Erst bei näherer Betrachtung ist das feine Schriftbild zu erkennen, das die Künstlerin auf feines Transparentpapier gebracht hat. Es sind Passagen aus Gedichten von Paul Celan, aber auch aus dem Istanbul-Protokoll. Trauma, Folter, Spuren, Erinnerung – all das ist verdichtet und verwebt, aber nicht nur durch die Textreferenzen präsent. Die Arbeiten gehen auf Skizzen zurück, die Paula Doepfner als Beobachterin bei Hirnoperationen an der Charité angefertigt hat.

Im Objektlabor des Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik auf dem Campus Nord gelegen, unweit der Charité, soll eine Auswahl dieser Arbeiten in Gesprächen ihre besondere Wirkung entfalten. Neben einem Nachmittag, der sich den Werken Paula Doepfners im Gespräch mit der Künstlerin widmet, sollen bei einem weiteren Gesprächsabend die Themen Migration, Flucht, Vertreibung und (psychische) Folgen von Folter und Gewalt im Zentrum stehen. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie unserer Einladung folgen.

Ausstellung: 24.-27.02.2026, geöffnet 12-14 Uhr

Begleitveranstaltungen:
23.02.2026, 16-18 Uhr: Eröffnung mit Einführung durch die Künstlerin

26.02.2026, 18-20 Uhr: SPUREN VON SCHMERZ. Kunst, Trauma und Flucht. Interdisziplinärer Gesprächsabend mit Paula Doepfner – Künstlerin, Berlin
Ulrike Kluge – Professorin & leitende Psychologin/Gruppenanalytikerin, Charité Berlin/BIM
Julia Manek – Psychologin & Humangeographin, medico international
Moderation: Pauline Endres de Oliveira – Professorin für Recht & Migration (HU/BIM)
In Kooperation: Christina Kuhli – Kustodin HU

Kontakt: Christina Kuhli, christina.kuhli@hu-berlin.de 

Erinnerung, Identität, Weitergabe: Ein künstlerisches Diorama im Humboldt Forum

Wie wird persönliches Erleben zu kollektivem Wissen? Und welche Spuren hinterlassen familiäre Biografien in unserer Identität?

Diesen Fragen widmete sich ein zehnwöchiger gesellschaftlicher Workshop im Rahmen des Clusters „Beziehungsweise Familie“ am Humboldt Forum. Als kollaboratives Projekt, das künstlerische, therapeutische und wissenschaftliche Perspektiven miteinander verband, wurde Wissen nicht als fertiger Lehrinhalt vermittelt. Vielmehr entstand es als gemeinschaftlicher Prozess, in dem die Teilnehmerinnen als ebenbürtige Wissende und aktiv Mitgestaltende in eine transversale Wissensproduktion eingebunden waren. Ausgangspunkt bildeten persönliche Erinnerungen, Erinnerungsobjekte und alltägliche Rituale als Träger von Wissen, das häufig über Generationen hinweg weitergegeben wird.

Aus dieser intensiven Zusammenarbeit sind ein künstlerisches Diorama sowie eine Audioarbeit entstanden, die Erinnerungsobjekte zum Sprechen bringen. Gemeinsam machen sie die komplexen Verflechtungen zwischen individuellem Trauma, transgenerationalen Erzählungen und dem Einfluss politischer Kontexte auf persönliche Lebenswege sichtbar. Zugleich laden sie dazu ein, das Zusammenspiel von Identität und Herkunft neu zu betrachten.

Mit Florian Hermes, Honorata Nawrocki, Marisol Ozomatli Malinalli, Leila G., Franziska Pierwoss, Diana Krämer, Alia Rayyan.

Das Ergebnis ist vom 24. Januar bis 12. Juli 2026 im „Wohnzimmer“ des Humboldt Forums, dem Sonderausstellungsfoyer im Erdgeschoss, zu erleben.

Interessierte sind herzlich eingeladen, die Ausstellung zu besuchen und einen Einblick in diese besondere Form der Wissensarbeit zu gewinnen.

Besuchende vor dem Diorama
© Alia Rayyan 2026