Archiv der Kategorie: Aktuelles

Besuch aus Lund am Zentrum für Kulturtechnik und im Humboldt Labor

Am Freitag, den 13. Februar 2026, begrüßten wir Kolleginnen der Lund University im Gerlachbau und im Humboldt Labor. Nachdem unsere Gäste auf der Suche nach dem richtigen Eingang bereits einen ersten Eindruck vom Campus gewinnen konnten, starteten wir gegen 9:15 Uhr mit dem fachlichen Austausch im Objektlabor.

Sammlungen in Forschung, Lehre und Transfer

Im Mittelpunkt standen die Universitätssammlungen – ihre Administration, Vernetzung und insbesondere ihr Einsatz in der Lehre. Sarah Elena Link stellte die Koordinierungsstelle vor, Nina El Laban Devauton und Martin Stricker präsentierten das Projekt „Teaching with Objects“, und Oliver Zauzig berichtete über seine Arbeit als zentraler Sammlungskoordinator der HU.

Die Kolleginnen aus Lund gaben Einblicke in aktuelle Entwicklungen an ihrer Universität, insbesondere in Bezug auf Forschung, Lehre und den Transfer in die Gesellschaft. Dabei wurden zahlreiche Gemeinsamkeiten, aber auch strukturelle Unterschiede deutlich. Besonders sichtbar wurde, dass wir mit der Koordinierungsstelle und dem umfangreichen Sammlungsnetzwerk in Deutschland ein viel beachtetes Modell etabliert haben, das auch international auf Interesse stößt.

Austausch im Netzwerk

Da großes Interesse an der Berlin University Alliance und dem Berliner Sammlungsnetzwerk bestand, besichtigten wir u.a. vor der Mittagspause die anatomische Sammlung der Charité – derzeit die einzige frei zugängliche Sammlung auf dem Campus Nord.

Am Nachmittag folgte der Besuch der Ausstellung „On Water. WasserWissen in Berlin“ im Humboldt Labor. Anna-Lisa Dieter führte durch die Ausstellung, anschließend diskutierten wir im Seminarraum gemeinsam weiter; auch Sharon Macdonald nahm daran teil. Unsere Gäste zeigten sich beeindruckt von den Möglichkeiten, die sich der HU mit dem Humboldt Labor eröffnen.

Nachhaltige Impulse

Der Besuch unterstrich, dass die HU mit ihren Sammlungen und Bühnen Maßstäbe setzt – zugleich wurde deutlich, dass hierfür verlässliche Ressourcen notwendig sind. Alle Beteiligten nahmen wertvolle Impulse für die eigene Arbeit mit. Der Austausch soll fortgesetzt werden, denn auch die HU profitiert von der weiteren Stärkung des europäischen Netzwerks.

Teilnehmende aus Lund:
Sara Virkelyst (zentrale Ansprechpartnerin für Museen und Archive), Charlotta Sokulski Bateld (Koordinatorin Kulturforum für Kunst und Wissenschaft), Louice Cardell Hepp (Kommunikation Kulturforum), Frida Stenmark (Museumskoordinator am Museum für künstlerische Prozesse und öffentliche Kunst) sowie Anki Wallengren (Prorektorin für Kultur und pädagogische Entwicklung).

Von Seiten des ZfK:
Sarah Elena Link, Nina El Laban Devauton, Martin Stricker, Anna-Lisa Dieter, Sharon Macdonald und Oliver Zauzig.

Dank an Xenia Muth und Eileen Klingner für die Unterstützung.

Ringvorlesung „Beziehungsweise Familie“ – am 18. Februar 2026 mit Prof. Dr. Annette Schad-Seifert

Aktuelle Forschung zu zeitgenössischen Familienformen und alternativen Verwandtschaftskonzepten im Dialog.

Singles unter Druck – „Solo Weddings“ als Glücksgeheimnis in Japan

Prof. Dr. Annette Schad-Seifert (Professorin für Modernes Japan an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)

Lebenslanges Single-Dasein ist eine soziale Erfahrung, die immer mehr Menschen in Japan betrifft.

In den letzten Jahren haben sogenannte Solo Weddings in Japan mediale und wissenschaftliche Aufmerksamkeit erfahren. Darunter werden inszenierte Hochzeitszeremonien verstanden, bei denen Single-Frauen ohne Partner eine Hochzeit mit professioneller Kleidung, Fotografie und rituellen Elementen durchführen. Der Vortrag untersucht Solo Weddings als kulturelles Phänomen an der Schnittstelle von individueller Glückssuche, Konsumkultur und sich wandelnden Ehe- und Geschlechternormen in der japanischen Gesellschaft.

Solo Weddings sind nur ein Phänomen von vielfältigen Solo-Aktivitäten in Japans Konsumkultur, die in den letzten Jahren entstanden sind. Der Vortrag geht der Frage nach, wie diese Aktivitäten einzuordnen sind in einer Gesellschaft, die traditionell der Gruppe eine hohe Priorität einräumt.

Auf Grundlage quantitativer Daten, Medienanalysen und Fallbeispielen wird gezeigt, dass Solo Weddings weniger als Ausdruck von sozialer Isolation zu verstehen sind, sondern vielmehr als ambivalente Praxis der Selbstvergewisserung in einer Gesellschaft, in der traditionelle Familiennormen zunehmend verschwinden.

Der Vortrag findet in deutscher Sprache statt.

Die Teilnahme ist ohne Voranmeldung möglich und steht allen Interessierten frei.

Veranstalterinnen:

Prof. Dr. Daniel Tyradellis (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Alia Rayyan (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Laura Goldenbaum (Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss)

Ort und Zeit:

18. Februar 2026,

18 bis 20 Uhr

im Saal 3, EG, Humboldt Forum, Schlossplatz.

Weitere Informationen

Portrait Prof. Schad-Seifert

Annette Schad-Seifert ist seit 2006 Universitätsprofessorin am Institut für Modernes Japan der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sie hat Japanologie und Religionswissenschaft an der Freien Universität Berlin, sowie Philosophie und politische Ideengeschichte an der Keio-Universität Tokyo studiert. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören Familienpolitik, Single-Gesellschaft, Genderverhältnisse, demografischer Wandel und neue Formen der sozialen Differenzierung. Sie war als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FU Berlin, der Universität Leipzig und am Deutschen Institut für Japanstudien in Tokyo tätig. Im Jahr 2018 war sie Specially Appointed Professor an der Ochanomizu-Universität in Tokyo. Sie ist Herausgeberin (mit Uta Meier-Gräwe und Miyoko Motozawa) des Buches Family Life in Japan and Germany (Springer Verlag 2019).

HU_Siegel-Kombi
humboldtforum_logo

Objekt des Monats: Wirtschaft als Wissenschaft – die Amtskette der Handelshochschule Berlin, 1910

Objekt des Monats 02/2026

Die silberne, vergoldete Amtskette kündet mit dem Porträt Kaiser Wilhelms II. in Uniform mit Preußischem Adlerhelm im Profil nach rechts auf der Vorderseite des Medaillons, von wem sie verliehen wurde. Die Inschrift im Mittelfeld der Rückseite gibt zudem das Datum an: „Wilhelm II. Kaiser und König der Handelshochschule Berlin verliehen 1910“.

Foto einer zweigliedrigen Metallkette, an der ein Medaillon mit dem Profilbildnis Kaiser Wilhelms II. hängt
Amtskette der Handelshochschule Berlin, Silber vergoldet, 1910
Foto der Rückseite eines Medaillons mit Text im Mittelfeld
Amtskette der Handelshochschule Berlin, Silber vergoldet, 1910, Medaillon Revers

Die im Jahr 1906 gegründete Handelshochschule, „von Kaufleuten begründet und für Kaufleute bestimmt“ (so im Bericht über die Eröffnung am 27. Oktober 1906), stellte mit ihrem betriebswirtschaftlichen Schwerpunkt ein Gegengewicht zum bereits seit 1886 bestehenden Staatswissenschaftlich-statistischen Seminar der Friedrich-Wilhelms-Universität dar (ab 1936 Institut für Wirtschaftswissenschaften), das innerhalb der Philosophischen Fakultät volkswirtschaftlich orientiert lehrte und forschte.

1920 löste sich die Korporation der Kaufmannschaft auf und die Handelskammer zu Berlin übernahm die Verwaltung der Handelshochschule, die in den folgenden Jahren auch das Promotionsrecht erhielt. Als Anstalt des öffentlichen Rechts unterstand sie zudem dem preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe. 1935 wurde sie in Wirtschafts-Hochschule umbenannt und an die Universität angegliedert. 1946 wurde sie mit dem Aufbau der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, die ihren Sitz wie die ehemalige Handelshochschule in der Spandauer Straße unmittelbar neben der Berliner Börse hatte, in die Universität integriert.
Im Gegensatz zu Amtsketten der traditionellen Fakultäten, die sich an der Berliner Universität nicht nachweisen lassen, besitzt die Humboldt-Universität mit der Amtskette der ehemaligen Handelshochschule einen durch die institutionellen Veränderungen dazu gewordenen Fakultäts- bzw. Dekansschmuck.

Während Zepter als wichtigste Insignie von Universitäten seit dem Mittelalter überliefert sind – sie waren Zeichen der richterlichen Gewalt des Rektors und damit der Autonomie der Universität –, waren Amtsketten bis ins 18. Jahrhundert unüblich. Vereinzelt wurden den Universitäten sog. Gnadenpfennige vom Herrscher bzw. der Herrscherin verliehen als Zeichen besonderer Privilegien. Diese zeigten alle das Porträt des entsprechenden Staatsoberhauptes. Zumeist wurden sie allerdings als Schmuck beurteilt und nicht als Ehrenzeichen. Das änderte sich vor allem im 19. Jahrhundert mit einem insgesamt gewandelten Erscheinungsbild der Universitäten. Dennoch blieb (zumindest in Preußen und Bayern) weiterhin der König derjenige, der über die Einführung von Amtsketten entschied. So erinnert also an die Berliner Handelshochschule das Profilbildnis Wilhelms II.

 

Autorin: Christina Kuhli

Literatur:

Günter Stemmler: Rektorketten – Grundzüge ihrer Geschichte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, in: Jahrbuch für Universitätsgeschichte 7, 2004, S. 241-248;
Frank Zschaler: Vom Heilig-Geist-Spital zur Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. 110 Jahre Staatswissenschaftlich-Statistisches Seminar der vormals königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität. 90 Jahre Handels-Hochschule Berlin, Heidelberg u.a. 1997;
Ein Halbjahrhundert betriebswirtschaftliches Hochschulstudium. Festschrift zum 50. Gründungstag der Handels-Hochschule Berlin, Berlin 1956.

Ringvorlesung „Beziehungsweise Familie“ – am 11. Februar 2026 mit Dr. Michael Slepian

Having and Keeping Secrets (Dt.: Haben und Bewahren von Geheimnissen)

Dr. Michael Slepian (Associate Professor an der Columbia Business School)

Geheimnisse gelten oft als Belastung – für Beziehungen ebenso wie für das persönliche Wohlbefinden. Häufig wird angenommen, dass vor allem das aktive Verbergen anstrengend und schädlich ist. Aktuelle psychologische Forschung zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild. Zahlreiche Studien mit Tausenden von Teilnehmenden zeigen: Nicht das Verheimlichen selbst ist meist das Problem, sondern das gedankliche Kreisen um ein Geheimnis. Wenn Geheimnisse immer wieder in unsere Gedanken eindringen und wir mit ihnen allein bleiben, ohne Austausch und neue Perspektiven, kann dies mit geringerer Beziehungsqualität und einem verminderten Gefühl von Authentizität einhergehen. Gleichzeitig können Geheimnisse auch positive Effekte haben – vorausgesetzt, sie werden bewusst und aus den richtigen Gründen bewahrt. Geheimnisse, die im Auftrag oder zum Schutz eines Kollektivs getragen werden, können Sinn und Bedeutung vermitteln. Das Teilen von Geheimnissen – ebenso wie das Anvertrautwerden – stärkt oft Nähe und Intimität. Und positive Geheimnisse können Autonomie, Lebendigkeit und persönliches Wachstum fördern. Der Vortrag beleuchtet die vielschichtige Psychologie von Geheimnissen: Wann sie belasten, wann sie stärken und wie Menschen lernen können, konstruktiv mit ihnen umzugehen – nicht nur, um sie auszuhalten, sondern um an ihnen zu wachsen.

Der Vortrag findet in englischer Sprache statt.

Die Teilnahme ist ohne Voranmeldung möglich und steht allen Interessierten frei.

Veranstalterinnen:

Prof. Dr. Daniel Tyradellis (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Alia Rayyan (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Laura Goldenbaum (Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss)

Ort und Zeit:

11. Februar 2026,

18 bis 20 Uhr

im Saal 3, EG, Humboldt Forum, Schlossplatz.

Weitere Informationen

Michael Slepian

Michael Slepian ist Associate Professor an der Columbia Business School und Autor von The Secret Life of Secrets. Als führender Experte für die Psychologie von Geheimnissen untersucht seine Forschung, wie das Bewahren von Geheimnissen Vertrauen, Beziehungen und Wohlbefinden im sozialen und organisatorischen Leben beeinflusst. Er hat mehr als fünfzig wissenschaftliche Artikel über Geheimhaltung, Wahrheit und Täuschung veröffentlicht, und seine Arbeit wurde in der New York Times, The Atlantic, The New Yorker, The Economist, The Wall Street Journal, der BBC und NPR vorgestellt. Slepian promovierte an der Tufts University, war Gastwissenschaftler an der Stanford University, erhielt den Rising Star Award der Association for Psychological Science und ist gewähltes Mitglied der Society of Experimental Social Psychology.

HU_Siegel-Kombi
humboldtforum_logo

Paula Doepfner, „Out in front of a dozen dead oceans“

Ausstellung im Objektlabor

Auf den ersten Blick abstrakt, wie Nebelschleier oder feines Geäst wirken die Zeichnungen von Paula Doepfner. Erst bei näherer Betrachtung ist das feine Schriftbild zu erkennen, das die Künstlerin auf feines Transparentpapier gebracht hat. Es sind Passagen aus Gedichten von Paul Celan, aber auch aus dem Istanbul-Protokoll. Trauma, Folter, Spuren, Erinnerung – all das ist verdichtet und verwebt, aber nicht nur durch die Textreferenzen präsent. Die Arbeiten gehen auf Skizzen zurück, die Paula Doepfner als Beobachterin bei Hirnoperationen an der Charité angefertigt hat.

Im Objektlabor des Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik auf dem Campus Nord gelegen, unweit der Charité, soll eine Auswahl dieser Arbeiten in Gesprächen ihre besondere Wirkung entfalten. Neben einem Nachmittag, der sich den Werken Paula Doepfners im Gespräch mit der Künstlerin widmet, sollen bei einem weiteren Gesprächsabend die Themen Migration, Flucht, Vertreibung und (psychische) Folgen von Folter und Gewalt im Zentrum stehen. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie unserer Einladung folgen.

Ausstellung: 24.-27.02.2026, geöffnet 12-14 Uhr

Begleitveranstaltungen:
23.02.2026, 16-18 Uhr: Eröffnung mit Einführung durch die Künstlerin

26.02.2026, 18-20 Uhr: SPUREN VON SCHMERZ. Kunst, Trauma und Flucht. Interdisziplinärer Gesprächsabend mit Paula Doepfner – Künstlerin, Berlin
Ulrike Kluge – Professorin & leitende Psychologin/Gruppenanalytikerin, Charité Berlin/BIM
Julia Manek – Psychologin & Humangeographin, medico international
Moderation: Pauline Endres de Oliveira – Professorin für Recht & Migration (HU/BIM)
In Kooperation: Christina Kuhli – Kustodin HU

Kontakt: Christina Kuhli, christina.kuhli@hu-berlin.de 

Erinnerung, Identität, Weitergabe: Ein künstlerisches Diorama im Humboldt Forum

Wie wird persönliches Erleben zu kollektivem Wissen? Und welche Spuren hinterlassen familiäre Biografien in unserer Identität?

Diesen Fragen widmete sich ein zehnwöchiger gesellschaftlicher Workshop im Rahmen des Clusters „Beziehungsweise Familie“ am Humboldt Forum. Als kollaboratives Projekt, das künstlerische, therapeutische und wissenschaftliche Perspektiven miteinander verband, wurde Wissen nicht als fertiger Lehrinhalt vermittelt. Vielmehr entstand es als gemeinschaftlicher Prozess, in dem die Teilnehmerinnen als ebenbürtige Wissende und aktiv Mitgestaltende in eine transversale Wissensproduktion eingebunden waren. Ausgangspunkt bildeten persönliche Erinnerungen, Erinnerungsobjekte und alltägliche Rituale als Träger von Wissen, das häufig über Generationen hinweg weitergegeben wird.

Aus dieser intensiven Zusammenarbeit sind ein künstlerisches Diorama sowie eine Audioarbeit entstanden, die Erinnerungsobjekte zum Sprechen bringen. Gemeinsam machen sie die komplexen Verflechtungen zwischen individuellem Trauma, transgenerationalen Erzählungen und dem Einfluss politischer Kontexte auf persönliche Lebenswege sichtbar. Zugleich laden sie dazu ein, das Zusammenspiel von Identität und Herkunft neu zu betrachten.

Mit Florian Hermes, Honorata Nawrocki, Marisol Ozomatli Malinalli, Leila G., Franziska Pierwoss, Diana Krämer, Alia Rayyan.

Das Ergebnis ist vom 24. Januar bis 12. Juli 2026 im „Wohnzimmer“ des Humboldt Forums, dem Sonderausstellungsfoyer im Erdgeschoss, zu erleben.

Interessierte sind herzlich eingeladen, die Ausstellung zu besuchen und einen Einblick in diese besondere Form der Wissensarbeit zu gewinnen.

Besuchende vor dem Diorama
© Alia Rayyan 2026

Public Engagement Fortbildung für Forschende

Die Humboldt Graduate School (HGS) bietet in Kooperation mit dem Kompetenzfeld Wissensaustausch mit der Gesellschaft und der Berlin School of Public Engagement and Open Science eine Fortbildung zum Thema Public Engagement für BUA-Wissenschaftler*innen in der PhD oder Postdocs-Phasen an.

In diesem Workshop werden die Grundlagen des Public Engagement und das Nutzen von Konzepten des Wissensaustauschs zwischen Wissenschaft und Gesellschaft für Forschung und Praxis behandelt. Die Teilnehmenden werden eine Kombination aus theoretischen Grundlagen und praktischen Übungen erarbeiten, die ihnen helfen, Public Engagement in ihre Arbeit zu integrieren. Der erste Teil des Tages konzentriert sich auf die Bausteine ​​des Public Engagement und auf die individuellen Ziele der Teilnehmenden für die Arbeit mit verschiedenen Zielgruppen. Am Nachmittag vertieft der Workshop die praktischen Aspekte der Gestaltung von Interaktionen, der Planung und der Erfolgsmessung in Public Engagement Projekten.

  • Zeit bis
  • Ort: Humboldt Graduate School, Luisenstraße 56, 10117 Berlin, Raum 220
  • Format: Präsenz-Workshop auf Englisch
  • Zielgruppe:  Wissenschaftler*innen der BUA in der PhD oder Postdocs-Phase

Anmeldung: Bei Interesse melden Sie sich für den Workshop bis zum 11. Februar 2026 hier an: https://hu.opencampus.com/de/node/12744

Foto: Philipp Plum

Objekt des Monats: Walter Womacka, Die Wissenschaft erobern

Objekt des Monats 01/2026

Noch kann man das großformatige Werk nur in den Abendstunden erblicken – die bunten Glasfenster im Ostflügel des Hauptgebäudes strahlen bei Dunkelheit in den Gartenhof, wenn die Lichter im sanierten Vestibül des Audimax angeschaltet sind. Sie erzählen von einer Zeit der Aufbruchstimmung, der Bedeutung von Wissenschaft und Technikbegeisterung in der DDR.

Es handelt sich um drei Glasfenster, in denen der Mensch im Zentrum steht, umgeben von Elementen der Natur, der Wissenschaft und des Kosmos.

Foto eines hohen Glasfensters, unterteilt in mehrere Scheiben mit verschiedenen Motiven des sozialistischen Menschen und der von ihm beherrschten Natur.
Walter Womacka, Die Wissenschaft erobern, linkes Glasfenster, 1962. Foto: Iris Grötschel, https://www.math.berlin/orte/fenster-hub.html

Im linken Fenster steht ein junger Mann, die linke Hand erhoben in Richtung eines Atommodells, in den Bildfeldern darunter sind eine Friedenstaube und der Kopf Max Plancks angeordnet. Die rechte Hand hält der Mann gesenkt, ihm strecken sich von unten gereckte Fäuste entgegen. Die friedliche Nutzung der Atomenergie unter sozialistischer Staatsführung wird in ihrer globalen Dimension durch die Windrose ganz oben propagiert. Die Natur hat ihren Platz in den unteren Bildfeldern mit Kornähren und einem Früchte tragenden Baum. Doch auch hier greift der Mensch ein, symbolisiert durch Förderturm und Strommast.

Foto eines hohen Glasfensters, unterteilt in mehrere Scheiben mit verschiedenen Motiven des sozialistischen Menschen und der von ihm beherrschten Technik und Kunst.
Walter Womacka, Die Wissenschaft erobern, mittleres Glasfenster, 1962. Foto: Iris Grötschel, https://www.math.berlin/orte/fenster-hub.html

Das mittlere Fenster wird in der oberen Hälfte durch eine weit ausschreitende junge Frau in einem roten Kleid dominiert. Sie hält ein geöffnetes Buch, darunter versammeln sich Marx und Engels und die 11. Feuerbachthese von Karl Marx, die schon damals im Foyer des Hauptgebäudes am Treppenaufgang zu sehen war. Im linken Streifen sind wieder gereckte Fäuste zu sehen, darüber ein Leninkopf. Das DDR-Wappen vor einer Sonne, begleitet von Friedenstauben, rundet die Botschaft ab. Die unteren Bildfelder besetzen Symbole der Wissenschaften und der Künste: ein Anch-Kreuz als Lebenssymbol, eine Maske, eine Harfe und eine Palette, Hieroglyphen, aber auch Funktechnik und Teleskope. Im Zentrum sind die Profilporträts von Wilhelm und Alexander von Humboldt eingefügt, die ganz ähnlich zum Symbolbild und Corporate Design der Humboldt-Universität wurden.

Foto eines hohen Glasfensters, unterteilt in mehrere Scheiben mit verschiedenen Motiven des sozialistischen Menschen und dem von ihm durch Physik und Technik beherrschten Kosmos
Walter Womacka, Die Wissenschaft erobern, rechtes Glasfenster, 1962. Foto: Iris Grötschel, https://www.math.berlin/orte/fenster-hub.html

Das rechte Fenster ist besonders zeitbezogen bzw. zeitaktuell. Hier ist ein Mann im Raumanzug die zentrale Figur, umgeben von einer am Fallschirm hängenden Rakete, den Porträts von Leibniz, Newton und Einstein sowie der Friedenstaube. Im Falle von Einstein ist der Verweis nicht nur wissenschaftsgeschichtlich bedeutsam, der Physiker und Nobelpreisträger hat im Audimax der Berliner Universität Vorträge gehalten. Der rote Sowjetstern neben der Verbildlichung eines schwarzen Lochs und einer Galaxis verweisen auf die Eroberung des Weltraums, die Juri Gagarin 1961 mit seinem Weltraumflug gelungen war. Das Thema der Weltraumeroberung wird in den unteren Bildfeldern mit einem Refraktor, einer Parabolantenne und dem Bildnis von Nikolaus Kopernikus symbolhaft mit der Bedeutung von Physik, naturwissenschaftlicher Forschung und technischem Vermögen verknüpft.

Die Beherrschung von Natur und Technik zum Wohle des Friedens wird in den Glasfenstern als Aufgabe der Universität in einem sozialistischen Staat in einer Abfolge von Einzelmotiven dargestellt. Mal konkreter, mal eher metaphorisch zu verstehen waren eine Vielzahl der ausgewählten Bildelemente bekannte Versatzstücke des medialen Alltags. Eine innovative Technik und Wissenschaft sah Walter Ulbricht als Bedingung für „das Wachstum der Produktivkräfte und die ökonomische Stärke“ an, damit die „erfolgreiche Meisterung der wissenschaftlich-technischen Revolution“ als „eine Hauptaufgabe im Klassenkampf“ gelingen könne (Walter Ulbricht: Grundlegende Aufgaben im Jahr 1970. Referat auf der 12. Tagung des ZK der SED 12./13.12.1969). Das sog. Komplexbild, die Auflösung einer erzählerischen Form in zusammenhängende Einzelmotive, erzeugt auf künstlerische Weise ein Weltbild, in dem Wissenschaft, Technik, Natur und Gesellschaft aufs Engste verknüpft sind und vom Menschen beherrscht werden.

Auch die Technik der Glasfenster demonstriert moderne Technik und zwar in Abkehr von der christlichen Glasmalerei der Kirchenfenster: Kleinformatige Plexiglasscheiben sind den Fenstersprossen vorgehängt und die typischen Bleistege sind nur teilweise echt, zum Teil sind sie durch schwarz gezogene Linien vorgetäuscht. Es wird kein sakraler Raum nobilitiert, vielmehr wird die moderne Wissenschaft und der die Welt durch seinen Forschergeist beherrschende Mensch gefeiert. Ausgeführt wurden die Glasfenster von Katharina Perschel, die Mahlsdorfer Glaskunstwerkstatt existiert bis heute.

Dass Walter Womacka den Auftrag erhielt, lag nicht nur an seiner Expertise für baubezogene Kunst, sondern auch an seiner sozialistischen Überzeugung, die er auch in weiteren Großprojekten unter Beweis stellte. Nicht weit von der HU entfernt gestaltete er 1964 die Glasfensterwand im ehem. Amtssitz des Staatsrates (dem ersten Regierungsneubau in Ost-Berlin, heute European School of Management and Technology). Das Haupttreppenhaus durchzieht die „Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung von 1918 bis zur Errichtung des ersten Deutschen Arbeiter- und Bauernstaates“ (Der Sozialismus siegt). Die aufwendige Glasklebetechnik dafür wurde von der PGH Kunsthandwerk und Glasgestaltung in Magdeburg entwickelt – die handwerklich-künstlerische Technik unterstreicht somit die Bedeutung von technischem Fortschritt mit eigenen Mitteln.

Die Glasfenster zeugen von einem ganz besonderen Moment der kunsthistorischen, politischen und gesellschaftlichen Geschichte, in dem auch die Humboldt-Universität ihren Platz hatte.

Autorin: Christina Kuhli
Fotos: Iris Grötschel, https://www.math.berlin/orte/fenster-hub.html [letzter Aufruf: 09.01.2026]

Literatur:

Jörg Haspel: „Vorsicht Stufe“. Konservieren und kommentieren? Sozialistische Denkmalkunst in Berlin als Objekt und Ort künstlerischer Interventionen und Interpretationen, in: Von der Ablehnung zur Aneignung? Das architektonische Erbe des Sozialismus in Mittel- und Osteuropa (= Visuelle Geschichtskultur, 12), hg. von Arnold Bartetzky, Christian Dietz und Jörg Haspel, Köln/Weimar/Wien 2014, S. 195-213;
Luise Helas: Walter Womacka. Sein Beitrag zur architekturbezogenen Kunst in der DDR, in: Luise Helas, Wilma Rambow, Felix Rössl: Kunstvolle Oberflächen des Sozialismus. Wandbilder und Betonformsteine (= Forschungen zum baukulturellen Erbe der DDR, 3), Weimar 2014, S. 19-102;
Sigrid Hofer: Kosmonaut Ikarus. Weltall, Erde, Mensch – Die planbare Zukunft als bildnerische Projektion, in: Abschied von Ikarus. Bildwelten in der DDR – neu gesehen, Ausst.-Kat. Neues Museum Weimar 2012-2013, hrsg. von Karl-Siegbert Rehberg, Wolfgang Holler und Paul Kaiser, Köln 2012, S. 2015-215;
Wolfgang Hütt: Walter Womacka, Dresden 1980;
Walter Womacka: Die bildende Kunst – notwendiger Bestandteil der Architektur, in: Bildende Kunst 6, 1964, S. 305-310.

Thementage rund um Familiengeheimnisse – Verbergen oder Erzählen?

Am Samstag 24.01. - Sonntag 25.01.2026 im Rahmen der Ausstellung "Beziehungsweise Familie"

Schweigen und Flüstern, geheime Beziehungen, unbekannte Verwandtschaften, vererbte Geschichten und verborgene Erbstücke. Gibt es Geheimnisse in Ihrer Familie? Sind Sie für diese Geheimnisse dankbar oder würden Sie sie lieber loswerden? Verbinden Geheimnisse Menschen oder isolieren sie? In spielerischen, künstlerischen und performativen Formaten nähern wir uns den verborgensten Bereichen von Gemeinschaft.

Performances

Erleben Sie Sarah Ama Duahs lebendige Statuen – unter deren Latex-Oberflächen lassen sich versteckte Biografien erahnen.

Der chinesische Künstler Li Binyuan lädt die Besucher*innen ein, Teil einer einzigartigen Klanglandschaft zu werden: Allein durch Ihre Stimmen und geleitet von vertrauten Geräuschen Ihrer Familienangehörigen oder Freund*innen werden Sie Teil der Performance Plaza.

Zum Abendprogramm gehören zwei zutiefst unterschiedliche Zugänge zum Verborgenen. Die musikalische Lesung aus Hewa Rwanda des ruandischen Schauspielers und Regisseurs Dorcy Rugamba ist authentisch und bewegend: 31 Jahre nach dem Völkermord in Ruanda erzählt er von Familie, Kultur und Hoffnung.

Humorvoll wird es beim Videoschnipselvortrag von Jürgen Kuttner: Freuen Sie sich auf Familiengeschichten aus Ost und West.

Im Gespräch

Anne Rabe regt an zum Gespräch über ihre schonungslose DDR-Familiengeschichte Die Möglichkeit von Glück.

Geprägt von Geschichten kultureller Verdrängung in der Türkei reflektiert ein neuer Film des Performers und Filmemachers ŞOKOPOP sein eigenes Coming-out als queere Person und zeigt, wie geerbtes Schweigen durchbrochen werden kann. Dazu findet ein Gespräch mit ŞOKOPOP (Ekim Acun) und Umut Özdemir statt.

Führungen, Workshops und Kinderprogramm

Im eintrittsfreien Wohnzimmer, einem neugestalteten Aktivitätsraum im Erdgeschoss, können Sie vielfältige Familiengeschichten und transgenerationelle Beziehungen erkunden. In der  Bibliothek für Alle finden Sie eine vielfältige Auswahl an Büchern über Familie, zusammengestellt von Black Dads Germany, und in der handwerklichen Workshopreihe Geschenk der Spinne entsteht eine großformatige Wandcollage aus Web- und Strickbeiträgen. Schauen Sie rein und machen Sie mit!

Auch das historische Berliner Schloss birgt Geheimnisse. Eine szenische Tour wirft einen Blick hinter die Fassaden patriarchaler Geschichte und Erinnerung und macht unterbeleuchtete Seiten der Familie Hohenzollern erfahrbar.

Im Live-Rollenspiel Broken Archive können Sie in kleiner Runde gemeinsam darüber spekulieren, warum ein Familienalbum zerrissen wurde – und es anschließend neu zusammensetzen.

Kinder kommen im Geschichtentheater auf ihre Kosten, lernen in der Live-Aufzeichnung des Podcasts Kakadu alles über die Lüge und können gemeinsam mit ihren Eltern die Familiengeheimnisse im Book Dash Workshop festhalten. Selbstbestimmung und Fantasie können Kinder und Erwachsene durch das Malen von Flaggen erforschen – nach Vorlagen der Künstlerin Na Chainkua Reindorf, deren großformatige Werke im Januar das Foyer prägen.

Verbergen oder Erzählen? Thementage:

Sa, 24.1.2026, 10:30–21:00 
So, 25.1.2026, 10:30–21:00 

Mehr Infos zu den Thementage Verbergen oder Erzählen.

© Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, Ausstellungsgestaltung: Studio Fasson Freddy Fuss / Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum und Museum für Asiatische Kunst / (Keyvisual: Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss / Getty Images / The Image Bank / Karan Kapoor) / Trailer: boheifilm, Musik: INPLUSMUSIC

Ringvorlesung „Beziehungsweise Familie“ – am 21. Januar 2026 mit Prof. Dr. Carola Lentz

Ahnentafeln, Familiengeheimnisse und eine neugierige Ethnologin in Westafrika

Prof. Dr. Carola Lentz 

(Johannes Gutenburg-Universität Mainz, Institut für Ethnologie und Afrikastudien (ifeas), Mainz)

Vor fast vier Jahrzehnten wurde Carola Lentz in eine ghanaische Großfamilie aufgenommen. Wie in vielen afrikanischen Familien haben sich hier Bildungswege und Berufskarrieren, Wohnorte und Lebensstile im Lauf der Zeit weit auseinanderentwickelt. Umso wichtiger für den Zusammenhalt der Großfamilie werden die Erinnerung an gemeinsame Ahnen und regelmäßige Besuche im Ursprungsdorf. Dabei hat die jüngere, schulgebildete Generation andere Ansprüche an eine gute Familiengeschichte als ihre bäuerlichen Verwandten auf dem Land. Die erinnerte Familienvergangenheit ist darum umstritten, und einiges wird von manchen als „Geheimnis“ markiert. Neu sind auch die Erinnerungspraktiken und ihre Medien. Gedenkgottesdienste treten an die Stelle von Ahnenopfern. Gezeichnete Stammbäume, Ahnentafeln und Fotoalben ergänzen die mündlichen Erzählungen. Der Vortrag erkundet diese Veränderungen und die Konflikte, die damit einhergehen. Familiengeschichte, so ein Fazit, kann nicht nur vereinen, sondern auch spalten.

Der Vortrag findet in deutscher Sprache statt.

Die Teilnahme ist ohne Voranmeldung möglich und steht allen Interessierten frei.

Veranstalterinnen:

Prof. Dr. Daniel Tyradellis (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Alia Rayyan (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Laura Goldenbaum (Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss)

Ort und Zeit:

21. Januar 2026,

18 bis 20 Uhr

im Saal 3, EG, Humboldt Forum, Schlossplatz.

Weitere Informationen

Carola Lentz

Carola Lentz ist Ethnologin und Seniorforschungsprofessorin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Migration, Ethnizität und Nationalismus, Kolonialismus und Dekolonisierung, staatliche und familiäre Erinnerungspolitik sowie Bildungsbiografien und Mittelklassen in postkolonialen Gesellschaften.

Sie studierte Soziologie, Politikwissenschaft, Germanistik und Pädagogik in Göttingen und Berlin, promovierte 1987 an der Leibniz Universität Hannover und habilitierte sich 1996 an der Freien Universität Berlin. Ihre akademische Laufbahn führte sie über Professuren in Frankfurt und Mainz, wo sie das Institut für Ethnologie und Afrikastudien maßgeblich prägte. Von 2020 bis 2024 war sie Präsidentin des Goethe-Instituts und setzte sich für kulturellen Austausch und internationale Verständigung ein. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf sozialer Zugehörigkeit, Mobilität und Erinnerungskultur in Westafrika. Für ihr Buch Land, Mobility and Belonging in West Africa erhielt sie 2014 den Melville J. Herskovits Prize.

Sie ist Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

HU_Siegel-Kombi
humboldtforum_logo